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Turbulentes 1989

Genese der deutschen Einheit- Aus dem Polnischen übersetzt von Jens Frasek

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Janusz Sawczuk

Nach fast vier Jahrzehnten, in denen eine mögliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR kein aktuelles Hauptthema war, avancierte es im Herbst 1989 ganz überraschend zu einer Schlüsselfrage europäischer Politik. Der Autor versucht aufzuzeigen, wie der deutsche Einigungsprozess im nationalen und internationalen Rahmen in Gang gesetzt wurde.
Im Mittelpunkt der Studie steht nicht nur eine differenzierte Analyse der inneren und äußeren Bestimmungsfaktoren dieses Prozesses, sondern auch eine systematische Erörterung der Interessen und Perzeptionen der Siegermächte beziehungsweise der östlichen und westlichen Nachbarstaaten Deutschlands. Dabei wird deutlich, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten nur im Kontext einer schrittweisen Vertiefung und Erweiterung der EU-Integration mit Ansätzen für eine gesamteuropäische Perspektive möglich war.
Dieses Buch ist eine Übersetzung des polnischen Originals «Od status quo do Planu Kohla» welches 2005 an der Universität Oppeln erschienen ist. Übersetzer: Jens Frasek.

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Kapitel V

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Das Kanzleramt und die in der DDR einsetzenden Wandlungsprozesse (Oktober–November 1989) 1. Bonner Beurteilungen und Prognosen der Situation in der DDR Die Art und Weise, wie sowie vor allem natürlich der Umstand, dass man Ende September, Anfang Oktober eine Lösung der Flüchtlingsfrage fand, hatte einen großen Einfluss auf die soziale und politische Situation in der DDR und deren Beziehungen zur Bundesrepublik genommen. Die jenen ostdeutschen Bürgern, die die Vertretungen der Bundesrepublik in den sozialistischen Ländern besetzt hatten und darauf beharrten, in den Westen umzusiedeln, erteilte Ausreisegenehmigung auf der Grundlage des in aller- letzter Minute in New York ausgehandelten Kompromisses, worüber die Medien in ganz Europas lauthals berichteten, musste in ihrer Konsequenz und Wirkung negative Reaktionen in der DDR-Gesellschaft hervorrufen. Wenn denjenigen, die nach Polen, Ungarn oder in die Tschechoslowakei geflüchtet waren, damit die Möglichkeit eröffnet wurde, auszureisen, so wurde um Einiges mehr die Situation all jener erschwert, die weder in den Genuss der Reisefreiheit kamen, noch überhaupt eine Aussicht darauf innehatten. Die Anfang Oktober die DDR durchquerenden Züge mit den Flüchtlingen aus Warschau und Prag wurden von Menschenmengen beobachtet, die ihrerseits nun auch den Willen zur Ausreise signalisierten. Dadurch fanden die Worte Rechtsanwalts Vogel Bestätigung, die DDR- Behörden stünden vor der Wahl: Entweder verdichten sie die Grenzen nun noch mehr und riskieren damit eine soziale Explosion, oder sie gewähren andernfalls allen DDR-Bürgern die Reisefreiheit.1 1 Deutsche Einheit, op. cit., S. 427. 208...

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