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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Andere Zeiten, andere Konsequenzen

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Bertolt Brechts Einstellung zu Krieg und Frieden I Auf die Frage „Krieg oder Frieden?“ hatte Brecht lange Zeit keine eindeu- tige Antwort. Nach der relativ anarchischen Phase seiner Frühzeit, als er in seinen Dichtungen auch wilde, ungezügelte, ja gewaltsame Züge keineswegs verschmäht hatte, bekam diese Problemstellung erst nach seinem Studium des Marxismus-Leninismus in den späten zwanziger Jahren eine ihn pro- vozierende Dringlichkeit. Schließlich galt es jetzt nicht mehr, lediglich den ungebärdigen Bürgerschreck zu spielen, sondern auch parteipolitisch Stellung zu beziehen. Obwohl Brecht keine Kämpfernatur war, ja meist zögerte, sich in gefährliche Situationen zu begeben, zwang ihn vor allem seine Ablehnung der Nazifaschisten sowie seine Hinwendung zur Kom- munistischen Partei und die daraus resultierende Exilsituation nach 1933 zusehends zu einer ideologischen und persönlichen „Haltung“, bei der sich eine kämpferische Parteinahme nicht länger vermeiden ließ. Dennoch blieb er in seinen ersten Exiljahren lieber auf einer kleinen dänischen Insel, als sich in eins der Zentren des antifaschistischen Widerstands, ob nun nach Moskau, Prag oder Paris, zu begeben. Und er arbeitete dort – eingedenk seiner Maxime „Es ist besser, sich außerhalb des Gefängnisses nützlich zu machen, als im Gefängnis heroisch unterzugehen“ – an inzwischen weit- gehend „klassisch“ gewordenen Dramen wie Der gute Mensch von Sezuan, in denen er sich mit Grundproblemen des Kapitalismus auseinandersetzte, oder an Stücken wie Leben des Galilei, denen eine deutliche „Märtyrer- phobie“ zugrunde liegt.1 Als es jedoch gegen Ende der drei...

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