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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Ein junger Mensch wandelt sich

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Herbert Ottos Die Lüge (1956) I Im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg herrschten in der Literatur der Sowjetischen Besatzungszone und dann der frühen Deutschen Demokra- tischen Republik – etwas vereinfacht gesprochen – zwei Tendenzen vor: 1. eine überwiegend pazifistische, die nach den Erfahrungen der nazifa- schistischen Angrif fs- und Vernichtungsfeldzüge, denen fast 55 Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren, den Krieg im Prinzip verdammte, und 2. eine allmählich immer stärker werdende, die sich zwar für eine Vermeidbarkeit neuer Kriege einzusetzen versuchte, aber dennoch einen sorgfältigen Unterschied zwischen politisch ungerechtfertigten und poli- tisch gerechtfertigten Kriegen machte. Die pazifistische Linie wurde vor allem auf den verschiedenen internationalen Friedenskongressen zwischen 1946 und 1948 vertreten, welche die westeuropäischen kommunistischen Parteien, die zu den Hauptgegnern der nazifaschistischen Aggression gehört hatten, veranstalteten und deren weithin sichtbares Symbol meist die von Pablo Picasso gezeichnete Friedenstaube war. Damit korrespondierte, dass auch die politischen Auszeichnungen dieser Ära in Moskau und anderen Hauptstädten sozialistischer Volksrepubliken gern als „Friedenspreise“ verliehen wurden. Ein Wandel von dieser pazifistischen Haltung zu einer genaueren Unterscheidung zwischen dem, was ein bellum iustum und ein bellum iniustum sei, setzte erst mit der Verschärfung der politischen Fronten im Verlauf des Kalten Kriegs ein, der auf deutschem Boden zur Gründung eines West-und dann eines Oststaates führte, die sich ideologisch scharf voneinander abgrenzten und demzufolge auch in ihrer Sicht des Zweiten Weltkriegs zusehends unterschiedliche Standpunkte bezogen. 58 Ein junger Mensch wandelt sich Während in Westdeutschland nach diesem Zeitpunkt...

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