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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Das Gute-Neue und das Schlechte-Neue

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Die Modernismusdebatte in der frühen DDR „Die Rückkehr zum Humanismus ist der Sinn der kommenden Zeiten.“ — Gustav von Wangenheim1 I Über die Gefährlichkeit des „Modernismus“ für die Literatur haben mar- xistische Kunstheoretiker nie ein Hehl gemacht. Man erinnere sich an die Ablehnung des „bürgerlichen“ Naturalismus zwischen 1890–1896, an die bereits legendär gewordenen Auseinandersetzungen in der Linkskurve, an Anatoli Lunatscharskis Verteidigung des „klassischen Erbes“ gegen die linksradikalen Vertreter des sowjetischen Proletkults, an die Ausfälle gegen James Joyce, Marcel Proust und John Dos Passos, die von Andrej Shdanow und Karl Radek 1934 auf dem I. Allunionskongress der Sowjetschriftsteller vorgetragen wurden, an das negative Pauschalurteil über den deutschen Expressionismus, das Georg Lukács im selben Jahr in der Internationalen Literatur veröf fentlichte, an die im Wort und anderswo geführte Expres- sionismusdebatte zwischen 1937 und 1939, an den untergründigen Brecht- Lukács-Streit in Sachen „Realismus und Formalismus“ in den gleichen Jahren, an die steigende Hochschätzung der bürgerlich-kritischen Realisten und die damit verbundene Abwertung des proletarischen Avantgardismus im Zuge der Volksfront-Strategien sowie an die Formalismusdebatte auf dem V. Plenum des ZK der SED im März 1951, wo es wie eh und je um den schädigenden Einf luss des „Modernismus“ und die Bewahrung des „klas- sischen Erbes“ ging. Doch all das sind Stationen einer kulturpolitischen 86 Das Gute-Neue und das Schlechte-Neue Entwicklung, die bereits in die Geschichte eingegangen ist und über die man sich in der einschlägigen Sekundärliteratur genau...

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