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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Heiter bis zur nächsten Gefährdung

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Hermann Kants Die Aula (1965) I Dass ein ostdeutscher Roman wie Hermann Kants Die Aula im Jahr 1965 sowohl bei Rütten und Loening in Ostberlin als auch bei und Rütten und Loening in München herauskommen konnte, geschah im Rahmen des lauwarmen Krieges zwischen der BRD und der DDR nicht gerade oft. Noch ungewöhnlicher war, dass man dieses Werk auf beiden Seiten relativ einstimmig als eine bedeutende Leistung akklamierte. Ja, manche Kritiker maßen ihm im Bereich des ostdeutschen Romanschaf fens eine ähnliche Wichtigkeit zu, wie sie die Blechtrommel von Günter Grass 1959 einmal für das westdeutsche hatte. Man stutzte und fragte sich unwillkürlich, ob einer solchen Einhelligkeit des Urteils nicht notwendig ein Missverständnis zugrunde liegen müsse? Wie kam es eigentlich zu dieser begrüßenswerten, aber merkwürdigen Koexistenz? Drehte es sich in diesem Werk etwa nur um sogenannte „allgemein-menschliche“ Probleme, die sich einer ideolo- gischen Interpretation von vornherein entzogen? Oder handelte es sich hier um einen reinen Intelligenzroman, wie sein Titel anzudeuten schien? Nichts von alledem. Seine Handlung ist so politisch, wie sie nur sein konnte. Robert Iswall, ein ehemaliger Elektriker-Lehrling, der sich als Student der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) und SED-Genosse bis zum journalistischen Mitarbeiter am Neuen Deutschland hochgearbeitet hat, wird in ihr von Jochen Meibaum, seinem zuständigen Parteifunkti- onär, aufgefordert, die Abschlussrede bei der Schließung der ehemaligen ABF an der Universität Greifswald zu halten. Dieser rein vordergründige „Auftrag“ erweist sich im Verlauf des Romangeschehens als...

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