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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Fridericus Rex

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Das „schwarze Preußen“ im Drama der DDR I Von seinen Verehrern als der „alte Fritz“, der „Große“, der „Einzige“, der „Initiator der deutschen Volkswerdung“ hochgejubelt, von seinen Kriti- kern, ja Hassern als „böser Fritz“, als „menschenverachtender Zyniker“, als „Schinder der Völker“ angeprangert: so widerspruchsvoll schwankte das Bild Friedrichs II. von Preußen lange Zeit zwischen den ideologischen Fronten der herkömmlichen Geschichtsbetrachtung. Während andere Zentralfiguren der deutschen Geschichte, aufgrund der immer größer werdenden Entfernung allmählich den Eindruck des Abgelebten, Objek- tivierten, wenn nicht gar Antiquierten erweckten, gehörte dieser König nach wie vor zu den wenigen Figuren, an denen sich geschichtsbewusste Gemüter stets aufs Neue erhitzen. Allerdings lag das nicht allein an ihm, das heißt an seiner vielbeschworenen „Janusköpfigkeit“, die sich einer- seits in seinen kritizistischen Neigungen, seinem Umgang mit Voltaire, seinem Atheismus, seiner Vorliebe für alles im „fortschrittlichen“ Sinne Französische, kurz: seinem „aufgeklärten Absolutismus“, andererseits in seiner Ruhmsüchtigkeit, seiner Eroberungsgier und seinem rücksichtslosen Truppenverschleiß äußerte, sondern auch daran, dass durch ihn jenes staat- liche Gebilde, welches die Bezeichnung „Preußen“ trug, zu einem Mythos wurde, der in der deutschen Geschichte der nächsten 200 Jahre eine ent- scheidende, wenn nicht die entscheidende Rolle spielen sollte. Friedrich II. war also nicht irgendein König von Preußen, sondern der König von Preußen, der etwas geradezu Modellhaftes hatte. In Friedrich, der als popu- läre Lesebuchfigur selbst den untersten Bevölkerungsschichten lange...

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