Show Less

Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

Series:

Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Die Mühen der Ebenen

Extract

Alfred Wellms Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar (1968) I Der Roman Pause für Wanzka von Alfred Wellm hat im „Westen“ nie die Anerkennung gefunden, die er aufgrund seiner menschlichen und literarischen Bedeutsamkeit eigentlich verdient. Woran liegt das? Galt er diesseits der Elbe als nicht „systemkritisch“ genug, um ihn mit demago- gischer Emphase als ein Dokument des inneren Widerstands gegen den „Unstaat“ DDR ausspielen zu können? Oder war er einfach zu „unmodern“ erzählt und wurde daher von vornherein als altmodisch abgetan? Falls ihn einige BRD-Germanisten und Literaturkritiker überhaupt erwähnten, dann eher in recht beiläufiger Form, indem sie diesen Roman – neben anderen DDR-Werken als spezifisch „subjektorientiert“ und nicht regimekonform charakterisierten, da sein Erzählstil, wie es hieß, „fast an Raabes Vorstellun- gen von der Poesie des Lebens” erinnere.1 Und das entspräche, wenn man diesen Gedankengang zu Ende denkt, letztlich der Haltung einer inneren Emigration, aber nicht der Haltung eines sozialistischen Bewusstseins. Doch auch in der DDR hat dieser Roman nicht jene Würdigung erfahren, wie man erwarten sollte. Er erschien zwar in mehreren Auf lagen und führte zu vielen internen Debatten, aber die of fiziellen Stellungnahmen blieben eher zurückhaltend. So lobte zwar Anneliese Große diesen Roman als Ganzes, kritisierte jedoch den ihm zugrunde liegenden Ich-Ton, wodurch das „Handeln des Einzelnen“ nicht genug mit dem „gemeinsamen Han- deln“ aller Menschen in einer sozialistischen Gesellschaft verbunden sei.2 Und auch der umfangreiche Band Literatur der Deutschen Demokratischen Republik, der 1976 erschien, widmete...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.