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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Mir gehts „so ziemlich“

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Christoph Heins Der fremde Freund (1982) I Es ist an sich kaum zu fassen, dass eine so „depressiv“ stimmende Novelle wie Christoph Heins Der fremde Freund 1982 in einem sich sozialistisch gebenden Staat wie der DDR, wo es – den Parteiparolen zufolge – immer noch vorwärts, wenn nicht gar aufwärts gehen sollte, überhaupt erscheinen konnte. Wirkte das Leben der in dieser Erzählung geschilderten Men- schen nicht wie ein lähmender Leerlauf, der kaum noch etwas von jenen Hof fnungen ahnen ließ, die einstmals die „positiven Helden“ der frühen DDR-Literatur angespornt hatten? Erschöpfte sich das Ganze nicht in einer sarkastischen Kritik an einem Staat, der bereits so erstarrt war, dass sich unter seinen Bewohnern eine grenzenlose Langeweile verbreitete? Und wurde dieser Eindruck nicht noch dadurch verstärkt, indem all das – die antiutopische Gesellschaftsordnung und die in ihr lebenden Menschen – auf eine zwar literarisch brillante, aber zugleich derart „realistische“ Weise dar- gestellt wurde, dass man sich ihrem Wahrheitseindruck kaum zu entziehen vermochte? Entsprach also das hier beschriebene Gesellschaftspanorama tatsächlich dem Leben im „realexistierenden Sozialismus“ Honeckerscher Prägung oder war die in seinem Zentrum stehende Liebesgeschichte nur eine „unerhörte Begebenheit“ im Sinne der älteren Novellentradition? So viele Fragen, so wenige Antworten. Nun gut, könnte man einwenden, waren nicht schon in der frühen Honecker-Ära, als es plötzlich keine literarischen „Tabus“ mehr geben sollte, Novellen dieser Art erschienen, die ebenfalls mit ihrer eindringlichen Kritik an manchen gesellschaftlichen oder kulturpolitischen Begleiterscheinungen der DDR keineswegs hinterm Berge gehalten...

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