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Topografien des Transits

Die Fiktionalisierung von Bahnhöfen, Hotels und Cafés im zwanzigsten Jahrhundert

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Ulrike Zitzlsperger

Dieser Band untersucht die literarische und filmische Behandlung halböffentlicher Räume im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts. Bahnhöfe, Hotels und Cafés werden hier als topografische Fixpunkte verstanden, die angesichts politischer, kultureller und sozialer Veränderungen jeweils neu erschlossen oder wahrgenommen werden. Auf diese Weise können Narrative konkretisiert, soziale Konstellationen ausgeleuchtet und historische Umbrüche nachvollziehbar werden. Während der Schwerpunkt auf dem deutschen Sprachraum und hier wiederum Berlin liegt, findet, wo angemessen, auch der europäische Kontext Berücksichtigung.
Die chronologisch angelegte Auseinandersetzung mit Schriftstellern und Regisseuren schließt unter anderen Joseph Roth, Gabriele Tergit, Vicki Baum, Walther Ruttmann, Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Ingeborg Drewitz und W.G. Sebald ein und konzentriert sich erst auf die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg, dann auf die Nachkriegszeit und den Kalten Krieg bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Darüber hinaus werden die halböffentlichen Räume auch in Hinblick auf ihre Rolle in der Kriminal-und Reiseliteratur und als Spiegel von Regional-und Landesgeschichten aufgegriffen.

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Nachwort

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Im Mai 2006 wurde der schon in der Einführung erwähnte Berliner Hauptbahnhof nach elf Jahren Bauzeit unter der Leitung des Architekten Meinhard von Gerkan mit einem Licht-, Musik- und Feuerwerkspektakel von Jerry Appelt eröf fnet. Die komplexen Planungen, die dem gesamten Bahnbereich vorangingen, waren von 1995 bis 2000 der Öf fentlichkeit im Rahmen der temporären Ausstellungen in der Infobox zwischen der sei- nerzeit größten innereuropäischen Baustelle am Potsdamer und Leipziger Platz vorgestellt worden. Der Bahnhof war Teil der Neuentwicklung des sogenannten zentralen Bereichs, der, wie weite Teile Berlins, nach den Zerstörungen, die der Zweite Weltkrieg und die Teilung der Stadt im Kalten Krieg mit sich brachten, notwendig geworden war.1 Der neue Berliner Hauptbahnhof dient – in Anlehnung an die eingangs betonte Rolle des Anhalter Bahnhofs und des Bahnhofs Friedrichstraße – hier abschließend als Grundlage für Überlegungen zur Rolle der halböf fentlichen Räume im einundzwanzigsten Jahrhundert. Im Gegensatz zur Zwischen- und der Nachkriegszeit ist der Hauptbahnhof nicht implizit Teil einer zwingenden Auseinandersetzung mit vorangegangen Katastophen, die sich nur Schritt für Schritt erschließen lassen. Stattdessen ist er die – langfristig angelegte – Konsequenz der friedlichen Revolution(en) ab Ende der achtziger Jahre. Wer in Zukunft an Berlins neuem, im Südosten der Stadt gelege- nen Flughafen ankommen wird, folgt auf dem Weg in die Innenstadt einer Kette historischer Bahnhöfe: Auf den Ostbahnhof, der nach der 1 Zur Vor- und Baugeschichte vgl. Erich Preuß, Berlin Hauptbahnhof, Stuttgart: Transpress 2007 und Roland M....

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