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Luise Büchner

Eine evolutionäre Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts

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Cordelia Scharpf

Diese erste ausführliche deutschsprachige Monographie über Luise Büchner (1821-1877) aus Darmstadt stellt ihr Leben und Werk dar als Autorin, vielseitige Aktivistin in der ersten bürgerlichen Frauenbewegung und Mitinitiatorin mehrerer Maßnahmen zur besseren Bildung, beruflichen Ausbildung und Erwerbstätigkeit von Frauen. Besonders wird aus ihren umfangreichen Schriften ihr mit Abstand bekanntestes Buch Die Frauen und ihr Beruf im Kontext ihrer Zeit vorgestellt. Darin legte Büchner in vier Auflagen ihre Ansichten und Ansätze zu Aufgaben und Pflichten von Frauen in Familie und Gesellschaft dar, die sie anhand eigener Erfahrungen in praktischer Vereinstätigkeit und im Gedankenaustausch mit Frauen und Männern im In- und Ausland weiterentwickelte und sich somit als eine evolutionäre Frauenrechtlerin erwies. Viele ihrer belletristischen Beiträge nehmen die in ihrem nichtbelletristischen Werk zur «Frauenfrage» erörterten Themen wieder auf, mit denen sie ihre Leserschaft nicht nur unterhielt, sondern auch weiterzubilden strebte. Büchners «Stimme», Temperament und Kommentare zu Ereignissen und Persönlichkeiten in ihren Schriften und Briefen offenbaren ein überraschend frisches Bild einer unverheirateten Frau, die sich nicht von den eng vorgeschriebenen gesellschaftlichen Vorgaben ihrer Zeit definieren ließ, sondern neue Wege für Frauen einzuleiten wusste.
Diese Monographie ist eine erweiterte und überarbeitete deutsche Fassung der englischen Biographie Luise Büchner: A Nineteenth-Century Evolutionary Feminist ( Women in German Literature 9).

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Kapitel 1 Leben in Darmstadt im Großherzogtum Hessen

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Darmstadt, d. 9ten Febr. 1858 Geehrter Herr, Ihre Zeilen habe ich erhalten und bedaure Ihren Wünschen nicht entspre chen zu können, indem ich, außerdem daß ich einmal geboren wurde und noch lebe, wirklich gar keine Biographie von mir liefern kann. Mein Dasein spielt sich sehr gleichmäßig ab, im Hause meiner Eltern, bei denen ich immer lebte und die ich noch zu besitzen, ich so glücklich bin. Ebenso bescheiden wie mein Lebenslauf ist auch meine literarische Thätigkeit. Außer dem kleinen Werkchen Die Frauen und ihr Beruf, welches nicht einmal im eigentlichen Sinn eine Er ziehungsschrift genannt werden kann, habe ich nichts veröf fentlicht als zwei Novellen, die im Morgenblatt ohne meinen Namen erschienen sind und einige kleine Journalartikel. Sie sehen daraus, daß ich nicht die mindesten Ansprüche darauf habe, in einer Galerie berühmter Pädagogen aufgeführt zu werden und abgesehen da von, ziehe ich es auch vor, so wenig als möglich öf fentlich genannt zu werden. Für die Aufmerksamkeit, die Sie mir erzeigten, jedoch freundlich dankend, grüßt Sie hochachtungsvoll Luise Büchner.1 Der Empfänger dieser recht frechen Zeilen war Johann Baptist Heindl, der (auto)biographische Porträts für die Galerie sammelte und im darauf fol- genden Jahr veröf fentlichte.2 Obwohl sein Brief an Luise Büchner nicht 1 Luise Büchner an Johann Baptist Heindl. 9. Feb. 1858. Bayerische Staatsbibliothek, Mün chen. („Autogr. Büchner, Luise“). 2 Heindls Galerie enthält 400 (auto)...

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