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Das Leben und Werk von Leopold von Ranke

Andreas Dieter Boldt

Der Historiker Leopold von Ranke (1795–1886) spielt für die Geschichtswissenschaft eine kaum zu unterschätzende Rolle. Sein Werk und vor allem seine Überlegungen zur Objektivität des Historikers und zur kritischen Quellenanalyse haben bis heute einen bleibenden Einfluss auf die Forschung. Während einige seiner Schriften sowie seine Ideen zur Geschichtsschreibung vielfach untersucht wurden, wurde sein privates Leben oft außen vor gelassen.
In dem Buch stellt der Autor das Leben und Werk Rankes vor, um eine Gesamtdarstellung des Historikers zu geben, die es erlaubt, die Geschichtsschreibung Rankes zu verstehen. Ranke war in seiner akademischen Laufbahn sehr produktiv und schrieb über 60 Bände. Jedes einzelne Werk wird vorgestellt, inhaltlich zusammengefasst und in den persönlichen und historischen Kontext gesetzt. Aufgrund seiner Produktivität wurde Ranke häufig kritisiert; der Autor stellt über 80 verschiedene Rezensionen vor, die dem Leser einen Überblick über die Auffassungen geben.
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Kapitel 2: Hauptthemen und das Geschichtsverständnis von Ranke

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KAPITEL 2

Hauptthemen und das Geschichtsverständnis von Ranke

Allgemeinverständnis und Geschichtsphilosophie

Leopold von Ranke bemühte sich unter anderem, die politische Struktur innerhalb einer jeweiligen historischen Epoche zu verstehen. Um die Natur eines historischen Phänomens zu durchdringen, müsse man dessen historischen Hintergrund und zeitlichen Wandel berücksichtigen. Ranke argumentierte, dass historische Epochen nicht nach vorgefassten Urteilen oder Ideen der Gegenwart, sondern aus sich selbst heraus verstanden werden müssten, indem man empirische Geschichte etabliere und schreiben müsse, „wie es eigentlich gewesen“. Ranke unterstrich die „Individualität“ und „Entwicklung“ in der Geschichte. Jedes historische Phänomen, jede Epoche und jedes Ereignis habe eine eigene Individualität, und es sei das Ziel des Historikers, eben dies hervorzuheben und zu respektieren. Deshalb müssten Historiker in die entsprechende Epoche eintauchen und sie in einer Art und Weise untersuchen, wie Dinge zu ihrer Zeit verstanden wurden. Die Geschichtsschreiber müssten, um Rankes eigene Worte zu benutzen, „ihr eigenes Ich auslöschen.“1 Diese individual-bezogene Methode der Geschichtsschreibung umfasste auch eine Wahrnehmung historischer Entwicklung, die, so Ranke, durch Gottes Willen getragen würde. Dieses sogenannte „protestantische“ Element innerhalb Rankes historischem Denken und Schreiben war zudem sehr wichtig. Trotz des religiösen Einflusses blieb Ranke stets ein weltlicher Historiker und bestrebt, die großen Kräfte der Geschichte zu verstehen. Er lehrte die Notwendigkeit, wichtige ← 35 | 36 → universale Trends anhand konkreter Details zu vergleichen. Ranke betrachtete jede Nation und deren Menschen als...

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