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Critical Time in Modern German Literature and Culture

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Edited By Dirk Göttsche

The fleeting nature of time is a defining feature of modern and postmodern existence. Identified by Reinhart Koselleck as the temporalization («Verzeitlichung») of all areas of human knowledge and experience around 1800, the concept of critical time continues to intrigue researchers across the arts and humanities. This volume combines theoretical and critical approaches to temporality with case studies on the engagement with the modern sense of time in German literature, visual art and culture from the eighteenth century to the present. Contributions explore key areas in the cultural history of time: time in art and aesthetic theory, the intellectual history of time, the relationship between time and space in literature and visual art, the politics of time and memory, and the poetics of time. Essays question the focus on acceleration in recent critical discourse by also revealing the contrapuntal fascination with slowness and ecstatic moments, notions of polyphonous time and simultaneity, the dialectic of time and space, and complex aesthetic temporalities breaking with modern time-regimes.
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Iulia-Karin Patrut – Eigenlogische und historische Zeit in den transmedialen Collagen Herta Müllers. Memoria nach 1989

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IULIA-KARIN PATRUT

Eigenlogische und historische Zeit in den transmedialen Collagen Herta Müllers. Memoria nach 1989

Ästhetische Arbeit an Zeit und Zeitlichkeit ist – das weiß man spätestens seit Manfred Frank1 – fast immer auch eine Arbeit am Selbstentwurf. Dies gilt nach 1989 für wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller in so hohem Maße wie für Herta Müller. In ihren Texten findet eine Zertrümmerung historischer Zeit statt, die zugleich Neuzusammenstellung ästhetischer Eigenzeit ist. Die historisch-politische Zeit der Überwachung und Zensur wird zersetzt durch die Einschnitte individueller Wahrnehmung, die alles fragmentarisiert und einfärbt und sich so gegen die fremdbestimmte Zeit stemmt. Die Texte, die nach dem Untergang des Systems, das sie beschreiben, verfasst wurden, leisten Arbeit an der Memoria und gerieren sich darüber hinaus als retrospektiver widerständiger Selbstentwurf. Die Modi erzählenden Erinnerns2 reichen dabei von dokumentarischen über ← 209 | 210 → essayistische und narrative Texte bis hin zu den formal innovativen Collagen, in denen die exponierten Schnitte die Zersetzung von Zeit und Zeitlichkeit recht explizit thematisieren. In Herta Müllers Collagen geht es vielerorts um das Ineinandergreifen erlebter, im Nachhinein erinnerter Zeiten der Gewalt und um das Aufscheinen dieser Gewaltmuster in aktuellen Selbstentwürfen. Im Zuge der Vergegenwärtigung des Vergangenen werden Selbstentwürfe in ihrer Transformation über die Zäsur 1989 hinweg dargestellt. Die Collagen tragen dazu bei, dass der Fall des Eisernen Vorhangs narrativiert und in seiner zeitgeschichtlichen Reichweite, ja in seiner epo­chalen Bedeutung3 wahrgenommen und...

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