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Einführung in die germanistische Linguistik

Elke Hentschel and Theo Harden

Die vorliegende Einführung besteht aus 16 Einheiten, die alle so konzipiert sind, dass sie auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Jedes Kapitel führt in einen bestimmten Bereich der Linguistik ein: in Semantik, Sprachgeschichte, Spracherwerb, mentales Lexikon, Pragmatik, Dialektologie, Phonetik, usw. Als Ausgangspunkt und Kapitelüberschrift dienen dabei beispielsweise Fragen wie «Können Wörter müde machen?» (Semantik), «Gibt es Sprachen ohne Grammatik?» (Syntax), «Was ist Deutsch eigentlich für eine Sprache?» (Sprachgeschichte) oder «Wo sind die Wörter im Kopf und wie greift man auf sie zu?», die zugleich das Konzept dieses Buches illustrieren: Die wichtigsten linguistischen Themenkomplexe und Grundlagen sollen nicht nur in leicht zugänglicher und gut verständlicher Form vermittelt werden, sondern es soll auch Neugier auf die Fragen geweckt werden, um die es jeweils geht. Vorkenntnisse werden dabei bewusst nicht vorausgesetzt. Da eine Einführung naturgemäß nur jeweils einen begrenzten Einblick in ein Themengebiet geben kann, werden am Ende jeder Einheit stets auch Literaturtipps zur weitergehenden und vertieften Beschäftigung mit dem behandelten Thema gegeben.
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Elke Hentschel: 1 Können Wörter müde machen? Semantik

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ELKE HENTSCHEL

1 Können Wörter müde machen? Semantik

In einem Experiment sollten zwei Gruppen von Versuchspersonen Sätze aus einer Reihe von vorgegebenen Wörtern bilden, die man dafür in die richtige Reihenfolge bringen musste (man nennt das auch mit dem englischen Begriff scrambled sentences, etwa: ,durch­ein­an­der­geschüttelte Sätze‘). Bei einer Gruppe waren unter den vorgegebenen Wörtern viele, die direkt oder indirekt mit dem Alter zu tun haben: Begriffe wie ‚alt‘, ‚grau‘ oder ‚weise‘. Diese Wörter standen dabei aber keineswegs im Zusammenhang von Aussagen über das Alter, sondern kamen in Sätzen vor wie Nachts sind alle Katzen grau oder Fred ist ein alter Freund von mir. Die Kontrollgruppe hingegen bekam neutrale Begriffe, die sie zu Sätzen zusammenfügen sollte. Nachdem die Versuchspersonen die Aufgabe gelöst und aus den Wörtern Sätze gebildet hatten, verließen sie den Untersuchungsraum und gingen zum Ausgang. Was sie nicht wussten: Auf diesem Weg wurden sie beobachtet, und man maß die Zeit, die sie brauchten, um den Gang entlang zu gehen und zur Tür zu gelangen. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen Versuchspersonen, in deren Sätzen sich Begriffe im Bedeutungsbereich ‚Alter‘ befunden hatten, merklich langsamer gingen als die Mitglieder der Kontrollgruppen. Offenkundig hatten sie ihre Schrittgeschwindigkeit unbewusst dem Konzept ‚Alter‘ angepasst und waren infolgedessen langsamer gegangen. Aber als man sie im Anschluss an das Experiment darüber aufklärte, worum es...

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