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Einführung in die germanistische Linguistik

Elke Hentschel and Theo Harden

Die vorliegende Einführung besteht aus 16 Einheiten, die alle so konzipiert sind, dass sie auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Jedes Kapitel führt in einen bestimmten Bereich der Linguistik ein: in Semantik, Sprachgeschichte, Spracherwerb, mentales Lexikon, Pragmatik, Dialektologie, Phonetik, usw. Als Ausgangspunkt und Kapitelüberschrift dienen dabei beispielsweise Fragen wie «Können Wörter müde machen?» (Semantik), «Gibt es Sprachen ohne Grammatik?» (Syntax), «Was ist Deutsch eigentlich für eine Sprache?» (Sprachgeschichte) oder «Wo sind die Wörter im Kopf und wie greift man auf sie zu?», die zugleich das Konzept dieses Buches illustrieren: Die wichtigsten linguistischen Themenkomplexe und Grundlagen sollen nicht nur in leicht zugänglicher und gut verständlicher Form vermittelt werden, sondern es soll auch Neugier auf die Fragen geweckt werden, um die es jeweils geht. Vorkenntnisse werden dabei bewusst nicht vorausgesetzt. Da eine Einführung naturgemäß nur jeweils einen begrenzten Einblick in ein Themengebiet geben kann, werden am Ende jeder Einheit stets auch Literaturtipps zur weitergehenden und vertieften Beschäftigung mit dem behandelten Thema gegeben.
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Elke Hentschel: 3 Gibt es Sprachen ohne Grammatik? Syntax

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ELKE HENTSCHEL

3 Gibt es Sprachen ohne Grammatik? Syntax

Darüber, was Grammatik eigentlich ist, gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Gelegentlich hört man Äußerungen wie „Schwäbisch? Das hat doch keine Grammatik!“ – woraus man schlussfolgern kann, dass hier unter „Grammatik“ vermutlich eine Liste von Regeln und Vorschriften verstanden wird, die idealerweise in einem Buch verzeichnet sind, in dem man gegebenenfalls auch nachschlagen kann. Dann wiederum hört man, Englisch habe weniger Grammatik als Deutsch und sei deshalb auch leichter zu erlernen. Mitunter wird auch gesagt, dass Chinesisch gar keine Grammatik habe – oder höchstens eine, die der Sprache durch engstirnige europäische Wissenschaftler aufgezwungen werde. Dabei scheint es sich aber nicht um dieselbe Art von „keine Grammatik“ zu handeln, wie sie im Beispiel zuvor dem Schwäbischen (oder auch anderen Dialekten) unterstellt wird. Gemeint ist jetzt offenbar etwas anderes: Man denkt beim an Grammatik ärmeren Englischen vermutlich vor allem an unregelmäßige Verben und an andere seltsame Veränderungen an Wörtern aller Art. Man erinnert sich an Endungen, die man beim Erwerb mancher Sprachen lernen muss und bei denen man viele Fehler machen kann, wenn man sie nicht richtig einsetzt – mit anderen Worten: Man meint die Morphologie (Näheres dazu findet sich in Kapitel 5). In der Tat gibt es im Englischen weniger Endungen oder sonstige Veränderungen, die man an Wörtern vornehmen muss, und im Chinesischen gibt es praktisch gar keine. Sind sie somit Sprachen ohne Grammatik? Das...

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