Show Less
Restricted access

Einführung in die germanistische Linguistik

Elke Hentschel and Theo Harden

Die vorliegende Einführung besteht aus 16 Einheiten, die alle so konzipiert sind, dass sie auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Jedes Kapitel führt in einen bestimmten Bereich der Linguistik ein: in Semantik, Sprachgeschichte, Spracherwerb, mentales Lexikon, Pragmatik, Dialektologie, Phonetik, usw. Als Ausgangspunkt und Kapitelüberschrift dienen dabei beispielsweise Fragen wie «Können Wörter müde machen?» (Semantik), «Gibt es Sprachen ohne Grammatik?» (Syntax), «Was ist Deutsch eigentlich für eine Sprache?» (Sprachgeschichte) oder «Wo sind die Wörter im Kopf und wie greift man auf sie zu?», die zugleich das Konzept dieses Buches illustrieren: Die wichtigsten linguistischen Themenkomplexe und Grundlagen sollen nicht nur in leicht zugänglicher und gut verständlicher Form vermittelt werden, sondern es soll auch Neugier auf die Fragen geweckt werden, um die es jeweils geht. Vorkenntnisse werden dabei bewusst nicht vorausgesetzt. Da eine Einführung naturgemäß nur jeweils einen begrenzten Einblick in ein Themengebiet geben kann, werden am Ende jeder Einheit stets auch Literaturtipps zur weitergehenden und vertieften Beschäftigung mit dem behandelten Thema gegeben.
Show Summary Details
Restricted access

Theo Harden: 11 Wer so schlampig spricht, kann bestimmt auch nicht richtig denken Soziolinguistik

Extract

| 143 →

THEO HARDEN

11 Wer so schlampig spricht, kann bestimmt auch nicht richtig denken Soziolinguistik

Auch innerhalb einer Sprache wie Deutsch, Italienisch oder Türkisch sprechen nicht alle Menschen völlig gleich: Ihre Sprechweisen können die sich durch regionale Eigenarten (Hamburger sprechen anders als Münchner, Basler oder Salzburger) oder beispielweise auch durch einen vom Beruf oder vom Lebensalter geprägten Wortschatz unterscheiden. Funktional sind all diese Ausprägungen einer Sprache gleichwertig: Man kann sich auf Tiroler Deutsch genauso gut verständigen wie im Berliner Großstadtslang, man kann mit Jugendsprache so effektiv kommunizieren wie mit medizinischer Fachsprache. Dennoch unterscheiden sich die Werturteile, die über unterschiedliche Varianten einer Sprache, ihre sog. Varietäten, abgegeben werden, ganz beträchtlich. Abweichungen von bestimmten Normerwartungen, die innerhalb der Sprachgemeinschaft offen oder unausgesprochen vorhanden sind, können sehr negativ bewertet werden, und dieses Urteil trifft dann nicht nur die Varietät als solche, die als „hässlich“ oder „unangenehm“ eingestuft wird, sondern auch ihre Sprecher. Wer so spricht, ist vermutlich ungebildet oder sogar dumm; umgekehrt wird jemand, der normgerecht spricht, als gebildet und intelligent angesehen. In einer Umfrage des kommerziellen britischen Senders ITV im September 2013 bekundeten fast zwei Drittel der Befragten, dass Sprecher des sog. Queen’s English besonders intelligent, aber auch besonders vertrauenswürdig wirkten, während umgekehrt Sprecher mit Liverpooler Akzent als unintelligent, unfreundlich und nicht vertrauenswürdig empfunden wurden (vgl. z. B. Marsden 2013).

Das Prestige, das sich in solchen Werturteilen niederschl...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.