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Wissenstransformationen in fiktionalen Erzähltexten

Literarische Begegnungen mit jüdischer Erinnerungskultur im Werk von Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa und Moacyr Scliar

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Corinna Deppner

Wissenstransformationen in fiktionalen Erzähltexten am Beispiel von Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa und Moacyr Scliar belegen ein für die Literatur maßgebliches Verständnis dynamischer Allelopoiese, in welchem historisches und kulturelles Wissen nicht als feststehendes Archiv, sondern als Prozess behandelt wird. Nicht abwechselnde, sondern nebeneinander stehende Aussagen und Aggregatzustände der Schrift leiten zu einem Mehrfachsinn der Textstruktur über. Eine daraus resultierende mehrdimensionale Rezeption stellt Transformationsforschung und jüdische Erinnerungskultur in einen gemeinsamen Deutungshorizont. Die jüdische Tradition kultiviert ausgehend von ihrem Verständnis einer mündlichen und einer schriftlichen Thora Paradigmen, die literarischen Transformationsprozessen zuträglich sind.

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V. Zweite Fallstudie: El hablador von Mario Vargas Llosa

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V.  Zweite Fallstudie: El hablador von Mario Vargas Llosa

Die Fallstudie zu einem Roman von Vargas Llosa geht der Frage nach, wie sich die Begegnung westlicher und indigener Kulturen als medialer Diskurs zwischen Oralität, Schrift und Bild entfaltet. In El hablador trifft das Nomadentum eines Indianerstammes auf die Vorstellung einer jüdischen Diaspora. Die Bewegtheit beider Kulturen setzt sich in der Nachempfindung eines mündlichen Diskurses sowie in der wandernden Identität des habladors alias Saúl Zuratas als literarische Struktur fort. Das im Text aufgerufene Medium Fotografie überschneidet sich in zweifacher Hinsicht mit der schriftlich inszenierten Mündlichkeit: 1. Die Fotografie fungiert ebenso wie die Mündlichkeit als ein Erinnerungsträger (mediales Archiv), der als erkennende Spur ausgelegt ist. 2. Fotografie und Oralität erweisen sich aufgrund ihrer konstruierten Charaktere als Räume für Imaginationen.

In dem komplementären Zusammenspiel von simultaner, retrospektiv gerichteter Bildlichkeit und sukzessiver wie fortschreitender Mündlichkeit ergibt sich zudem die Möglichkeit, einen allelopoietischen Transformationsprozess nachzuempfinden, den Vargas Llosa – nicht zuletzt mittels der unterschiedlichen medialen Eigenschaften – als literarisches Archiv konzipiert. Entsprechend erweisen sich z. B. Ikonizität und Oralität als dessen gleichberechtigte Potenziale. Das bedeutet, dass nicht abwechselnde, sondern nebeneinander stehende Aussagen und Aggregatzustände der Schrift, zu einem Mehrfachsinn der Textstruktur überleiten. Dieses Verständnis betrifft eine simultane Wissensproduktion. Der Roman wird polyphon, ein Mikrokosmos der Stimmen, der eine dynamische Hermeneutik hervorruft. Der hablador entzieht sich durch Verwandlungen existenzieller Zuschreibungen. Platziert zwischen...

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