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Wissenstransformationen in fiktionalen Erzähltexten

Literarische Begegnungen mit jüdischer Erinnerungskultur im Werk von Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa und Moacyr Scliar

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Corinna Deppner

Wissenstransformationen in fiktionalen Erzähltexten am Beispiel von Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa und Moacyr Scliar belegen ein für die Literatur maßgebliches Verständnis dynamischer Allelopoiese, in welchem historisches und kulturelles Wissen nicht als feststehendes Archiv, sondern als Prozess behandelt wird. Nicht abwechselnde, sondern nebeneinander stehende Aussagen und Aggregatzustände der Schrift leiten zu einem Mehrfachsinn der Textstruktur über. Eine daraus resultierende mehrdimensionale Rezeption stellt Transformationsforschung und jüdische Erinnerungskultur in einen gemeinsamen Deutungshorizont. Die jüdische Tradition kultiviert ausgehend von ihrem Verständnis einer mündlichen und einer schriftlichen Thora Paradigmen, die literarischen Transformationsprozessen zuträglich sind.

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VII. Begegnungen mit jüdischer Erinnerungskultur als Reflexion interkultureller Wissensarchivierung

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VII.  Begegnungen mit jüdischer Erinnerungskultur als Reflexion interkultureller Wissensarchivierung

Die Fallstudien werden in diesem zusammenführenden Kapitel auf die Übergänge zwischen Repräsentationen und Transformationen von Wissen fokussiert. In dem Verwenden von jüdischen Topoi und dem Weiterdenken von Eigenschaften rabbinischer Auslegungspraktiken biblischer Texte stellt sich eine Korrelation heraus. Es hat sich gezeigt, dass einerseits den stereotypischen Sichtweisen einer rhetoric of jewishness weitere literarische Varianten hinzugefügt werden (Kap. VII.1). Andererseits gelingt es, Denkformen aus jüdischer Tradition zu literarisieren, die Transformationsleistungen förderlich sind bzw. diese zur unabdingbaren Folge haben (Kap. VII.2). In den Werkanalysen wurden diesbezüglich Denkfiguren aktiviert, die eine gemeinsame Struktur verbindet. Das Ahasver-Motiv wandelt in wandernde Signifikanten, das jüdische Signifikat gerät zu einer sich entziehenden, verborgenen Referenz, zu einer Präsenz als Absenz, die wie ein Schibboleth in einer Differenz zur Ursprungsbedeutung steht. Mit den Signifikantenverschiebungen geraten Vergleichbarkeiten mit modernen und postmodernen Literaturen hinsichtlich Sprache und Körper in den Blick (Kap. VII.3).

Die Einbeziehung und Thematisierung von differenten medialen Speichermedien in den gewählten Primärtexten stellt die transformative Wirkung der im Zuge der Rezeptionsvorgänge zwischen biblischen Vorlagen und intertextuellem Literaturverständnis plazierten Aggregatzustände der Schrift heraus (Kap. VII.4). Oralität, Literalität und Ikonizität materialisieren sich als eine gegenseitig beeinflussende Zusammenführung mit allelopoietischer Wirkung – eine neue Inhalte hervorbringende Konstellation: Schöpfung durch Sprache. In Kapitel VII.5 wird auch die Dimension der Räumlichkeit in ihrem Verhältnis...

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