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Wissenstransformationen in fiktionalen Erzähltexten

Literarische Begegnungen mit jüdischer Erinnerungskultur im Werk von Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa und Moacyr Scliar

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Corinna Deppner

Wissenstransformationen in fiktionalen Erzähltexten am Beispiel von Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa und Moacyr Scliar belegen ein für die Literatur maßgebliches Verständnis dynamischer Allelopoiese, in welchem historisches und kulturelles Wissen nicht als feststehendes Archiv, sondern als Prozess behandelt wird. Nicht abwechselnde, sondern nebeneinander stehende Aussagen und Aggregatzustände der Schrift leiten zu einem Mehrfachsinn der Textstruktur über. Eine daraus resultierende mehrdimensionale Rezeption stellt Transformationsforschung und jüdische Erinnerungskultur in einen gemeinsamen Deutungshorizont. Die jüdische Tradition kultiviert ausgehend von ihrem Verständnis einer mündlichen und einer schriftlichen Thora Paradigmen, die literarischen Transformationsprozessen zuträglich sind.

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VIII. Die lateinamerikanische Literatur als dynamisches Archiv. Eine Relektüre

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VIII.  Die lateinamerikanische Literatur als dynamisches Archiv. Eine Relektüre

I.

Dem vom Forschungsbereich „Transformationen der Antike“ der Humboldt-Universität zu Berlin (2007) formulierten Vorhaben, das Weiterwirken der Antike in der Gegenwart als gewandelter Form nachzuspüren, ist in der vorliegenden Arbeit bezüglich der Rezeption jüdischer Paradigmen in der lateinamerikanischen Literatur entsprochen worden. Die untersuchten Primärtexte sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Thematiken und Positionierungen sehr differente Beispiele einer variantenreichen Formung der Rezeption jüdischer Topoi im 20. Jahrhundert. Die Untersuchungsergebnisse bezüglich der drei Fallbeispiele belegen zunächst, dass sich die darin vorkommenden Themen und Handlungsmuster nicht wesentlich von anderen Literaturen unterscheiden, die sich jüdisch konnotierten Themen konstruierend zuwenden. Ein Vergleich mit der Rezeption jüdischer Kultur in der europäischen Literatur hat gezeigt, dass auch diese von ähnlich paradigmatischen Herangehensweisen geprägt ist. Beispiele dafür sind Darstellungen des Juden als Geldverleiher oder Wanderer. Im 20. Jahrhundert ist es u. a. die Charakterisierung des Juden als Kosmopolit und „Luftmensch“. Diesem Sachverhalt hat sich auch die wissenschaftliche Rezeption in jüngster Zeit zugewendet.1666 Graff Zivin zufolge ist die Bezugnahme lateinamerikanischer Literatur auf jüdische Quellen von Strukturen durchzogen, die allgemeine Merkmale einer kulturellen Aneignung, einer rhetoric of jewishness, aufweisen.

Die Einbeziehung des Jüdischen in den lateinamerikanischen Literaturkontext hat sich insofern als Besonderheit erwiesen, als von allen drei Autoren Strategien entwickelt wurden, um Berührungspunkte zwischen jüdischen und indigenen Erfahrungen zu knüpfen. Die dabei entstandenen...

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