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Die Sorben und Wenden in deutschen Konversationslexika des 19. Jahrhunderts

Cornelius Lehmann

In Sachsen und Brandenburg lebt die nationale Minderheit der Lausitzer Sorben, die auch „Wenden" genannt werden. Die Deutschen begegnen der slawischen Volksgruppe teilweise mit Vorurteilen. Der Autor fragt nach den Ursprüngen dieses Phänomens. Dafür untersucht er historische Konversationslexika, die im 19. Jahrhundert eine wichtige Medien-Gattung darstellten. Die darin enthaltenen Texte fanden Einzug in das Denken der Menschen jener Epoche. Die Auswertung des Brockhaus und anderer Nachschlagewerke zeigt, dass das Thema teilweise heftig diskutiert wurde. Die lexikalischen Darstellungen erstrecken sich von wissenschaftlichen Analysen über die slawische Besiedlung Mitteleuropas bis hin zu stereotypen Bildern einzelner Bevölkerungsteile.

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2. Begriffe der Theorie und Methodik

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2.   Begriffe der Theorie und Methodik

Abstract: While the term “minority“ is rather unambiguous, there are different views on the theoretical construct of “nation“. The same applies to the sectors of “presentation“ and “evaluation“. These terms have to be defined first before they can be used for a source analysis.

2.1   Nation und Minderheit

Nationen bzw. Formen des Zusammengehörigkeitsgefühls mehrerer Personen oder Gruppen nach nationalen oder ethnischen Gesichtspunkten können als eine Erfindung des 19. Jahrhunderts betrachtet werden. Darauf weist z. B. der britische Historiker Eric J. Hobsbawm in seinem Buch Nationen und Nationalismus hin, das Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht wurde.28 Dabei stellt sich die Frage, ob eine Nation ein starres, vorgegebenes Konstrukt ist, in das man hineingeboren wird, oder ob man die individuelle Wahl hat, sich der einen, der anderen oder sogar parallel mehreren Nationen anzuschließen. Dadurch entsteht ein Diskurs, der sich mit dem Paradoxon der Nation befasst.29 Erst durch die Berufung auf eine Nationalität oder im weiteren Verlauf der Geschichte auf eine (staatsbildende) Nation kann in diesem Zusammenhang von Mehrheiten und Minderheiten gesprochen werden.30 Natürlich hat es schon in der Vormoderne Menschengruppen gegeben, die man z. B. aufgrund ihrer Muttersprache oder ihrer Konfessionszugehörigkeit numerisch einer Majorität oder einer Minorität zuordnen konnte – doch nationale Minderheiten nach modernem Verständnis konnten erst durch die Einteilung in Nationen und damit (nach Staatsbildung) ← 33 | 34 → durch Grenzziehung entstehen. Der Historiker Miroslav Hroch...

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