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Die Sorben und Wenden in deutschen Konversationslexika des 19. Jahrhunderts

Cornelius Lehmann

In Sachsen und Brandenburg lebt die nationale Minderheit der Lausitzer Sorben, die auch „Wenden" genannt werden. Die Deutschen begegnen der slawischen Volksgruppe teilweise mit Vorurteilen. Der Autor fragt nach den Ursprüngen dieses Phänomens. Dafür untersucht er historische Konversationslexika, die im 19. Jahrhundert eine wichtige Medien-Gattung darstellten. Die darin enthaltenen Texte fanden Einzug in das Denken der Menschen jener Epoche. Die Auswertung des Brockhaus und anderer Nachschlagewerke zeigt, dass das Thema teilweise heftig diskutiert wurde. Die lexikalischen Darstellungen erstrecken sich von wissenschaftlichen Analysen über die slawische Besiedlung Mitteleuropas bis hin zu stereotypen Bildern einzelner Bevölkerungsteile.

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Vorwort

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Im Jahr 2014 hat das Sorbische Institut in Bautzen die Erstauflage des Sorbischen Kulturlexikons herausgegeben. Auf über 550 Seiten werden hier nach alphabetischer Reihenfolge 230 Stichwörter rund um die Sorben erläutert. Die Idee für dieses Projekt war bereits in den 1930er Jahren entstanden, konnte aber erst rund 80 Jahre später in die Tat umgesetzt werden. Zwischenzeitlich waren jedoch biographische Nachschlagewerke, ein Kleines Sorben-Lexikon und andere Broschüren über die Sorben veröffentlicht worden. Im Vorwort des Sorbischen Kulturlexikons beschreiben die Herausgeber ihre Motivation: „Das Sorbische Kulturlexikon wendet sich an eine interessierte deutschsprachige Öffentlichkeit. Es soll fehlende Kenntnisse vermitteln sowie vorhandene Irrtümer und Missverständnisse, wie sie im rund tausendjährigen Zusammenleben von Sorben und Deutschen immer wieder zutage getreten sind, überwinden helfen.“1

550 Seiten, die alleine die Sorben, ihre Kultur, Geschichte und Sprache thematisieren. Das steht im großen Gegensatz zu universalthematischen Nachschlagewerken wie z. B. dem Brockhaus oder der heutzutage ersten Anlaufstelle des Nachschlagens, dem Internetlexikon Wikipedia. Hier haben sorbische Themen nur eine absolute Nischenposition.

Das war auch bereits im 19. Jahrhundert so, als durch Alphabetisierung, Industrialisierung, Bildung und Aufklärung das Konversationslexikon zu dem beliebtesten Nachschlagewerk geworden war. Darin nahmen die Sorben, meist zwischen den Stichwörtern Sopran und Sorbet eingebettet, nur ein paar wenige Zeilen in Anspruch. Und die Einträge unter Wenden befassten sich in größerer Zahl mit Städten oder Manövern aus Verkehr, Landwirtschaft und Militär als mit den slawischen...

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