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Geschichte, Politik und Poetik im Werk Rudolf Alexander Schröders

Kontinuität und Variation

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Yvonne Zimmermann

Das Werk Rudolf Alexander Schröders steht symptomatisch für die literarisch-kulturellen Bemühungen eines im frühen 20. Jahrhundert weit verbreiteten ästhetischen Konservatismus. Die Autorin befasst sich mit der Frage, wie Geschichtsverständnis, politischer Mitgestaltungswille und Poetik ineinandergreifen. Sie verdeutlicht die Aufwertung von Übersetzungen kanonischer Autoren, von wiederholenden Schreibverfahren und von verehrender Zitation. Die Aufarbeitung von nationalen Konzepten, Kulturkritik, Problemgeschichte, Übersetzungstheorie oder Hexametertheorien kontextualisieren Schröders Poetik, was die Autorin durch Archivalien belegt. Die Studie vertieft die Erforschung der mit Hofmannsthal, George und Zeitgenossen in den Blick genommenen literarischen Stoßrichtung des ästhetischen Konservatismus und verweist dadurch auf seine Breite.

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2. Zentrale Kontexte und Leitbegriffe

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2.  Zentrale Kontexte und Leitbegriffe

This chapter provides a discussion of central concerns: the cultural-historical issues around ‘Historismus’ and ‘Relativismus’ at the end of 19th century (Nietzsche, Troeltsch), the different ways scholars (Spengler, Pannwitz) reacted to this situation and the shift in poetics from a positive understanding of the concept of ‘imitatio’ to the reproach of ‘Epigonalität’.

Die schon erwähnte gesellschaftliche Verortung seiner eigenen Texte, die Schröder mit der Dienst-Metapher so oft ausgedrückt hat, verlangt eine Kontextualisierung seines Werks. Im Folgenden soll dem Rechnung getragen werden. Entscheidend für Schröder sind die Krisenstimmung und die geschichtsphilosophischen Debatten um die Jahrhundertwende. Während der Historismus bei vielen Intellektuellen eine Abwendung von geschichtlich angereicherten Deutungsmustern hervorgerufen hat, die nicht nur in der literarischen Moderne zu Brüchen mit der Tradition führte, entstehen in dieser Zeit auch weitreichende Geschichtsdeutungen, die metaphorologisch, meist in zyklischen Bildern, versuchen, die Welt zu erklären. Schröder reagiert hierauf weniger mit philosophischen als mit literarischen Texten.91 Neben der intensiven Auseinandersetzung mit der Überlieferung im Rahmen seiner Übersetzungsarbeit schreibt er dann vor allem lyrische Texte. Die literarische Orientierung an einem schon bestehenden Textkorpus wird in der Literaturwissenschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts anhand intertextueller Verfahren untersucht. Inwiefern das Konzept der Intertextualität mit den literarischen Verfahren der imitatio beziehungsweise dem im 19. Jahrhundert pejorativ verwendetem Begriff der Epigonalität zusammenhängt, ist für die Konzeption von Schröders Texten zentral. Erst vor diesem...

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