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Geschichte, Politik und Poetik im Werk Rudolf Alexander Schröders

Kontinuität und Variation

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Yvonne Zimmermann

Das Werk Rudolf Alexander Schröders steht symptomatisch für die literarisch-kulturellen Bemühungen eines im frühen 20. Jahrhundert weit verbreiteten ästhetischen Konservatismus. Die Autorin befasst sich mit der Frage, wie Geschichtsverständnis, politischer Mitgestaltungswille und Poetik ineinandergreifen. Sie verdeutlicht die Aufwertung von Übersetzungen kanonischer Autoren, von wiederholenden Schreibverfahren und von verehrender Zitation. Die Aufarbeitung von nationalen Konzepten, Kulturkritik, Problemgeschichte, Übersetzungstheorie oder Hexametertheorien kontextualisieren Schröders Poetik, was die Autorin durch Archivalien belegt. Die Studie vertieft die Erforschung der mit Hofmannsthal, George und Zeitgenossen in den Blick genommenen literarischen Stoßrichtung des ästhetischen Konservatismus und verweist dadurch auf seine Breite.

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3. Schröders Poetik

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3.  Schröders Poetik

Initiated by the ‘Problemgeschichte’, Schröder assumes certain ahistorical and anthropological constants in his poetological declarations and explores the purpose of literature and the tasks of the poets. The tradition of forms, motifs or plots is therefore more significant than the singular authors themselves. Preservation and transmission of literary elements are the aim of his theory of translation.

In einer 1961 verfassten Poetikvorlesung für die Universität Frankfurt am Main nähert sich Schröder systematisch seinem Dichter-Begriff.170 Etymologisch leitet er von lat. dictare den Dichter als denjenigen her, der „einem Schreiber etwas in die Feder diktiert“171. Damit liegt der Schwerpunkt auf der Produktionsseite. Auch über das Wortfeld Poem – Poet – Poesie kommt er zu diesem Schluss. Das Poem sei „das Gemachte, Bewirkte, Hergestellte oder Gefertigte“172, der Poet daher ein „Macher“173 von Gedichten. Erst in der Differenzierung angelehnt an das Horazische Poetik- und Rhetorik-Verständnis erweitert sich das Bild des Dichters.

Wird sie [die Dichtkunst, YZ] wirklich, wie das Wort eines großen Dichters uns einreden will, praktiziert „wie der Vogel singt“, oder ist sie, wie jene anderen Künste, ein Betrieb, der eine bestimmte Schulung voraussetzt? Sicherlich ist sie das auch. Große und äußerst kunstvolle Gebilde wie die Ilias und die Odyssee, wie das Drama Attikas, Frankreichs, Englands und Deutschlands sind gewiß nicht zur Welt gekommen lediglich als

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