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Geschichte, Politik und Poetik im Werk Rudolf Alexander Schröders

Kontinuität und Variation

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Yvonne Zimmermann

Das Werk Rudolf Alexander Schröders steht symptomatisch für die literarisch-kulturellen Bemühungen eines im frühen 20. Jahrhundert weit verbreiteten ästhetischen Konservatismus. Die Autorin befasst sich mit der Frage, wie Geschichtsverständnis, politischer Mitgestaltungswille und Poetik ineinandergreifen. Sie verdeutlicht die Aufwertung von Übersetzungen kanonischer Autoren, von wiederholenden Schreibverfahren und von verehrender Zitation. Die Aufarbeitung von nationalen Konzepten, Kulturkritik, Problemgeschichte, Übersetzungstheorie oder Hexametertheorien kontextualisieren Schröders Poetik, was die Autorin durch Archivalien belegt. Die Studie vertieft die Erforschung der mit Hofmannsthal, George und Zeitgenossen in den Blick genommenen literarischen Stoßrichtung des ästhetischen Konservatismus und verweist dadurch auf seine Breite.

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6. Immer wieder Goethe – Goethe als zentrales Vorbild?

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6.  Immer wieder Goethe – Goethe als zentrales Vorbild?

Schröder’s particular emphasis on the tasks of poets, namely to prove themselves to be poetae docti and to accept the influence of literary tradition in their own work, as opposed to evening out the differences between good poets and less good writers, demonstrates his own focus on canonical figures, the best of all being Goethe.

Obgleich die Vorstellung von entpersonalisierten Fackelträgern kaum Idole zulässt, weisen sich in Schröders Schriften einige Autoren als Speerspitzen der Literaturgeschichte aus. Allen voran wird Goethe für ihn zur paradigmatischen Figur, dessen Texte er nicht nur zu vorbildlichen Exemplaren der Überlieferung für seine eigene Dichtung heranzieht, sondern der auch bei der Bewertung anderer Autoren immer wieder zur Richtschnur wird. Goethe ist für Schröder die Figuration des idealen Dichters: Seinen Texten unterstellt er nicht nur den geforderten Einfluss auf die deutsche Gesellschaft – in diesem Sinne ist Goethe für Schröder ein politischer Dichter925 – er wird außerdem zum Leitstern aller nachfolgenden Autoren und damit zum Gewährsmann, an dem Schröder und seine Zeitgenossen sich orientieren können. Jeglichen Epigonenvorwurf ignorierend, obgleich auch seine Freunde schon früh die Gefahr der blinden Nachfolge bemerkt hatten, plädiert Schröder geradezu für eine Nachfolge Goethes. In den nachfolgenden Kapiteln soll deshalb ausgehend von der frühen Goetheverehrung Schröders Instrumentalisierung Goethes für die weitere Literaturgeschichte sowie für nationale Identitätsbildung...

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