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Narrative des Erasmus-Auslandsaufenthaltes: Freizeit, Liebe, Institution

Linguistische Studien zum sprachlichen Handeln in deutschen und spanischen Interviews

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Vasco da Silva

Die Studie zeigt auf, wie ehemalige Erasmusstudierende ihre Auslandserfahrungen im narrativen Interview sprachlich wiedergeben. Schwerpunkt dieser Erzählungen ist dabei die bisher noch nicht beachtete Frage nach im Ausland eingegangenen Zweierbeziehungen mit Zielkulturangehörigen. Methodisch durch Konversationsanalyse und Funktionale Pragmatik unterstützt, untersucht der Autor das sprachliche Handeln der Interviewten vor dem Hintergrund institutioneller Einflüsse. So wird deutlich, wie sich das Freizeitverhalten von Erasmusstudierenden und der Wunsch nach Kontakten zu Zielkulturangehörigen gegenseitig bedingen. Ausführlich diskutiert der Autor im Hintergrund wirkende Wissensbestände und ihren Einfluss auf die Erzählungen im narrativen Interview.

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5. Rekonstruktionen subjektiver Erlebnisse im Auslandsaufenthalt

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5.    Rekonstruktionen subjektiver Erlebnisse im Auslandsaufenthalt

Im Folgenden zeige ich, wie die interviewten ehemaligen Erasmusstudierenden ihren Auslandsaufenthalt retrospektiv wiedergeben. Viele der oben angesprochenen Einflussfaktoren, angefangen bei den politischen Zielsetzungen über die erwähnten dichotomen Widersprüchlichkeiten, die dem Austauschprogramm zugrunde liegen, bis hin zu den sich jährlich wiederholenden Riten der Erasmuskohorten, werden sich hier wiederfinden.

Für die Darstellung des Auslandsaufenthaltes bietet die Hintergrundfolie ‚Erasmus‘ eine vielschichtige und wichtige inhaltliche wie zeitliche Orientierung. Die Interviewten nutzen diese erzählerischen ‚Ankerpunkte‘ funktional, um ihre Geschichte kohärent ihrem Zuhörer zu erzählen. Dafür ist zum einen die Chronologie des Auslandsaufenthaltes, zum anderen das dem Programm Erasmus inhärente Kollektivphänomen maßgeblich. Die folgenden Ausführungen werden zeigen, wie die Erasmusstudierenden ihre Erfahrungen und Erlebnisse wiedergeben, sich in unterschiedlicher Art und Weise in dieses Kollektiv aus internationalen Studierenden eingebettet sehen und darüber hinaus insbesondere die Zweierbeziehung als Abgrenzungsmöglichkeit funktional einsetzen.

Durch diese Beziehung erlangt in den Augen der Sprecher_innen der Auslandsaufenthalt einen individuellen Mehrwert, der gleichzeitig auch die Erzählenswürdigkeit (Quasthoff 1980) der Geschichte verstärkt. Die Erzählerinnen und Erzähler positionieren sich außerhalb des Kollektivs, grenzen sich ab und kreieren ihre eigene ‚Erasmusidentität‘. Dafür verwenden sie verschiedene Topoi und sprachliche Handlungen, die im Folgenden diskutiert werden: Die Interviewten stellen Erasmus einerseits als Kollektivphänomen dar und gehen dabei vor allem auf die Themen ‚Freiheit‘ und ‚Freizeit‘ ein. Der eigentliche Grund, warum sie den...

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