Show Less
Restricted access

Sozial verantwortete Selbstbestimmung in der Medizin

Ein anerkennungstheoretischer Ansatz selbstbestimmten Handelns

Series:

Felix Krause

Die Arbeit untersucht Autonomie (Selbstbestimmung) als bedeutsame humane Fähigkeit und greift damit ein aktuell viel diskutiertes Thema in Theologie, Philosophie, Medizin und Medizinethik auf. Der Autor analysiert die Geltung, Interpretation, Reichweite und Anwendung von Selbstbestimmung, insbesondere im Kontext von Medizin, und fokussiert dabei die Bedeutung von sozialen Beziehungen und Institutionen für die Entwicklung und Ausübung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung. In Anlehnung an Axel Honneths Anerkennungstheorie entwickelt der Autor ein selbstständiges Konzept von Autonomie in Form von sozial verantworteter Selbstbestimmung, das gerechtigkeitstheoretische Implikationen enthält und somit Anfragen an Staat, Gesellschaft und Individuum für die Ermöglichung von Selbstbestimmung des vulnerablen Menschen stellt.

Show Summary Details
Restricted access

3. Selbstbestimmung und Verantwortung in der Ethik

Extract

← 46 | 47 →

3.  Selbstbestimmung und Verantwortung in der Ethik

Während es in der Anthropologie darum geht, der Frage nachzugehen, welche Charakteristika das menschliche Wesen ausmachen, gilt in der Ethik das Interesse unter anderem der Frage, welche Haltungen Menschen für das individuelle und gesellschaftliche Leben haben sollen. Respekt vor dem Willen zur Selbstbestimmung gilt als ein normatives Prinzip in der Ethik. Wenn nun die Rede von normativen Prinzipien der Ethik ist, die anzeigen, wie gehandelt werden soll, setzt das voraus, dass auf der metaethischen Ebene die „Bedeutung moralischer Wörter und Sätze sowie die logischen und rhetorischen Regeln der moralischen Argumentation“135 geklärt sind. Daraufhin ist es möglich, auf der normativ-ethischen Ebene Prinzipien zu entwickeln und zu begründen, die gelten sollen. In der angewandten Ethik kommen die normativen Prinzipien zur konkreten Anwendung, z. B. in der Medizinethik. In den nächsten Überlegungen wird nur die theoretische, normativ-ethische Ebene136 diskutiert: Wie werden Autonomie und Verantwortung in ethischen Debatten verstanden und welche Bedeutung kommt diesen beiden Begriffen zu? In Kapitel 4 wird anschließend Autonomie in der angewandten Ethik, nämlich der Medizinethik, untersucht.

Im Folgenden wird zunächst Autonomie als normativer Begriff in den Fokus genommen (Abschnitt 3.1). Es ist zu berücksichtigen, dass eine Vielfalt an Vorstellungen zum Verständnis des Autonomiebegriffs besteht. In diesem Netz von verschiedenen Vorstellungen und im Zusammenhang mit anderen Begriffen ist derjenige der Autonomie von anderen zu differenzieren und als solcher zu explizieren. Es...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.