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Sozial verantwortete Selbstbestimmung in der Medizin

Ein anerkennungstheoretischer Ansatz selbstbestimmten Handelns

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Felix Krause

Die Arbeit untersucht Autonomie (Selbstbestimmung) als bedeutsame humane Fähigkeit und greift damit ein aktuell viel diskutiertes Thema in Theologie, Philosophie, Medizin und Medizinethik auf. Der Autor analysiert die Geltung, Interpretation, Reichweite und Anwendung von Selbstbestimmung, insbesondere im Kontext von Medizin, und fokussiert dabei die Bedeutung von sozialen Beziehungen und Institutionen für die Entwicklung und Ausübung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung. In Anlehnung an Axel Honneths Anerkennungstheorie entwickelt der Autor ein selbstständiges Konzept von Autonomie in Form von sozial verantworteter Selbstbestimmung, das gerechtigkeitstheoretische Implikationen enthält und somit Anfragen an Staat, Gesellschaft und Individuum für die Ermöglichung von Selbstbestimmung des vulnerablen Menschen stellt.

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6. Ausblick auf eine anerkennungssensible Praxis der sozial verantworteten Selbstbestimmung in der Medizin

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6.  Ausblick auf eine anerkennungssensible Praxis der sozial verantworteten Selbstbestimmung in der Medizin

Wird dem Konzept der sozial verantworteten Selbstbestimmung zugestimmt – und es gibt gute Gründe, dies zu tun – lassen sich zwei Schlussfolgerungen aus dem Konzept ziehen, die für eine zukünftige anerkennungssensible Praxis der sozial verantworteten Selbstbestimmung in der Medizin sprechen. Dies betrifft die Punkte (1) Einführung der Vulnerabilität als Bezugsgröße und (2) Verbindung zwischen Entscheidungsautonomie und Gerechtigkeit.

Zunächst geht es um die Einbeziehung der Kategorie der Vulnerabilität: Es stellt sich die Frage, ob in der Medizin nicht von einer vulnerablen Person statt vom „normal chooser“ ausgegangen werden sollte (Abschnitt 6.1). Der Patient in der Medizin ist aufgrund seiner Erkrankung häufig vulnerabler als zunächst angenommen wird. Wie diesem Tatbestand gerecht werden kann, ist Teil dieser Überlegungen. Dafür muss der Begriff der Vulnerabilität erläutert und in all seinen Dimensionen besprochen werden. In diesem Zusammenhang wird zwischen (1) inhärenter, (2) situationaler und (3) pathogenetischer Vulnerabilität differenziert und ihre jeweilige Bedeutung für die Medizin genannt werden.

Wird die Anerkennung als Bestandteil des Konzepts der sozial verantworteten Selbstbestimmung angenommen, ergibt sich daraus eine Verzahnung von Autonomie und Gerechtigkeit (Abschnitt 6.2). Wird nämlich die Kategorie der Anerkennung in ihren gerechtigkeitstheoretischen Implikationen aufgenommen, befasst sie sich im Kern mit dem, worum es im Konzept der sozial verantworteten Selbstbestimmung geht: um den fundamentalen Zusammenhang zwischen Entscheidungsautonomie, Anerkennung und sozialen Beziehungen....

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