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Carl Stumpfs Berliner Phonogrammarchiv

Ethnologische, musikpsychologische und erkenntnistheoretische Perspektiven

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Edited By Martin Ebeling

Der Band versammelt Vorträge, die auf der 4. Jahrestagung der Carl-Stumpf-Gesellschaft gehalten wurden. Die Tagung fand im Ethnologischen Museum Berlin und dort an dem von Carl Stumpf 1900 gegründeten Phonogrammarchiv statt. Dementsprechend behandeln die meisten Beiträge Forschungen der Musikethnologie aus unterschiedlichen erkenntnistheoretischen Perspektiven. Der Band präsentiert sowohl aktuelle Arbeiten als auch Untersuchungen, die an die Forschungen von Stumpf oder seinen Schülern anknüpfen. Daneben diskutieren die Autoren Schriften von Stumpf zur Psychoakustik sowie zur musikpsychologischen Forschung und reflektieren die erkenntnistheoretischen Grundlagen von Stumpfs Werk (Wahrscheinlichkeit, Brentano und Stumpf zur Tonpsychologie, Gestaltpsychologie).

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Gibt es eine auditive Maßnorm?

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Zusammenfassung

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts machte Erich Moritz von Hornbostel eine merkwürdige Entdeckung: Melanesische Panflöten und xylophonartige Gamelaninstrumente aus Java waren mit überraschender Genauigkeit auf dieselben Tonhöhen gestimmt. Darüber hinaus hatten Panpfeifen brasilianischer Indianer denselben Grundton und ihre Stimmung war dieselbe wie die antiker Pfeifen, die in Peru ausgegraben wurden. Das traf auch auf Panflöten aus Bolivien, Peru und von den Salomon-Inseln zu. Übereinstimmende Stimmtöne konnten wir nun auch bei antiken Flöten finden, von denen einige sogar älter als 3000 Jahre waren und die von verschiedenen Indianervölkern aus Süd- und Mittelamerika stammten. Hornbostel nahm an, dass es eine universelle Maßnorm der Länge gegeben hat, die bei allen antiken Völkern verbreitet war. Auch die Mensuren und damit die Stimmungen der Instrumenten seien nach dieser Maßnorm ausgerichtet gewesen. Für Carl Stumpf war Hornbostels Argumentation ein exzellentes Beispiel für die Induktion auf Tatsachen. Unsere Analyse zeigt, dass die Tonhöhen dieser antiken Flöten ganzzahligen Vielfachen einer Periode von 0,4 ms entsprechen. Weiterhin belegen Elektrophysiologische Messungen, dass es auch Oszillationen im Hörsystem gibt, die vorzugsweise Vielfache einer Periode von 0,4 ms sind. Wir glauben, dass diese als Zeitreferenz zur Tonhöhenbestimmung dienen könnten und dementsprechend eine Erklärung für die beobachtete Bevorzugung bestimmter Stimmtöne bei antiken Instrumenten liefern.

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