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Evolutionär orientierte Bioethik im Zeitalter der Life-Sciences

Einführung in die nichtmedizinische Bioethik aus hermeneutisch-phänomenologischer Perspektive

Bernhard Irrgang

Der Autor entwirft einerseits eine Bioethik für den nichtmenschlichen Bereich, die die naturwissenschaftliche Zugangsweise der Evolutionsforschung insbesondere ethologischer Art (Verhaltensforschung) mit der molekularbiologischen Rekonstruktion des Lebendigen verbindet. Er konkretisiert andererseits den Gerechtigkeitsgrundsatz einer Gleichbehandlung unter vergleichbaren Umständen. Dies geschieht mithilfe des empirisch modellierbaren Kriteriums anwachsender Komplexität der Möglichkeiten von Lebewesen zu intelligentem Sozialverhalten. Damit setzt er sich von den bisherigen utilitaristischen und anthropomorphen Kriterien wie Schmerzempfindungsfähigkeit, Glück, Lebenswillen, Interessen oder Tierwürde ab.

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1. Der biologisch-evolutionäre Rahmen für mögliche Bioethiken – das neue Bild des Lebendigen: Vom Gen zum Organismus

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1.  Der biologisch-evolutionäre Rahmen für mögliche Bioethiken – das neue Bild des Lebendigen: Vom Gen zum Organismus

Als fundamentaler Interpretationsrahmen für eine Bioethik ist eine Hermeneutik des Lebendigen unerlässlich, in der Aspekte des technischen Zugangs zum Lebendigen genauso eine Rolle spielen wie natürliche Prozesse der Selbstorganisation. In der Bandbreite des Verhältnisses von Natur und Technik ist der Organismus bzw. das Lebewesen charakterisiert durch Genese (Wachstum, Morphogenese, Epigenese) und technische Artefakte durch Gemacht-Werden, Konstruiert-Werden, Entworfen-Werden. Biofakte entstehen durch die technische Rekonstruktion der Genese von Organismen durch Eingriff in den genetischen Code und in die Expression des genetischen Codes von Organismen. Insbesondere im Menschen und seiner Evolution vollzieht sich eine permanente Grenzüberschreitung des Natürlichen und Biologischen hin zum Künstlichen und Technischen. Die eigentliche ethische Problematik ergibt sich aus der Verwobenheit von Natürlichem und Technischem, von Biologischem und Instrumentellem. Bioethik ist damit keine Ethik der Natur und auch keine Ethik bestimmter Organismen, schon gar nicht Ethik von Ökosystemen, sondern Ethik einer menschlich-kulturellen Praxis, die sich im Übergangsfeld zwischen Natur und Technik, also im kulturellen Umfeld bewegt. Die Fragen, die dabei entstehen und einer Erklärung näher zugeführt werden sollen, sind Fragen kultureller Praxis, wobei diese kulturelle Praxis eingebettet ist in eine soziale Praxis.

Leben ist ein sehr verschiedenartiges Phänomen. Daher sollte man statt vom Begriff des Lebens von verschiedenen Konzepten des Lebens und des Lebendigen sprechen. Derartige Begriffe und Konzepte werden gebraucht,...

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