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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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2. Reisebeschreibungen über den Orient vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

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2.   Reisebeschreibungen über den Orient vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

Der Reisebericht als erzählende Darstellung einer realen Reise zählt zu den ältesten Gattungen der abendländischen Literatur. Seine Tradition reicht bis in die griechische Antike zurück. Auch im deutschsprachigen Kulturraum hat der Reisebericht eine lange Erfolgsgeschichte, die auf den Pilgerberichten aus dem 14. Jahrhundert basiert. Seine soziale Rolle wurde aber erst im späten 18. Jahrhundert anerkannt. Man schätzte dabei nicht literarische Qualität des Reiseberichts, sondern seine informative Funktion. Peter J. Brenner weist darauf hin, dass die Authentizitätsverpflichtung des Reiseberichts eine wichtigere Rolle spielt als seine ästhetischen Aspekte. Das war wahrscheinlich die Ursache, dass diese literarische Gattung erst so spät als Gegenstand literarischer, germanischer Forschung in Betracht gezogen wurde.236 Der Reisebericht wurde aber zugleich als äußerst anspruchsvolle Gattung betrachtet, weil der Rezipient, um den Inhalt der Reisebeschreibung nahvollziehen zu können, über umfangreiches Allgemeinwissen, methodologische Grundlagen der Geschichts- und der historischen Sozialwissenschaft, der Ethnologie, der Anthropologie, der Philosophie, der Volkskunde, der Geographie und der Naturwissenschaften verfügen sollte. Reiseberichte zeugen von Kulturkontakten, geben Auskunft über Stand und Wandel der Bilder vom Selben und den Imaginationen des Anderen und stehen im Spannungsfeld zwischen Ausgangs- und Zielkultur.237

Wenn man über Reisebeschreibungen über den Orient vom 17. bis zum 19. Jahrhundert spricht, muss man auch die folgende Tatsache berücksichtigen: nicht alle Autoren dieser Reiseschilderungen haben den islamischen Weltteil tatsächlich bereist. Die Autorenzahl ist sicherlich...

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