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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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6. Zwischen Wort und Bild – der moderne Orient als Traumland der Tausendundeinen Nacht

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6.   Zwischen Wort und Bild – der moderne Orient als Traumland der Tausendundeinen Nacht

Als der Franzose Antoine Galland913 1704 den ersten Band seiner Übersetzung der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht aus dem Türkischen, Arabischen und Persischen in der Tradition der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Orient fertig brachte, erwartete er wahrscheinlich nicht, dass seine Arbeit eine so große Euphorie bei der europäischen Leserschaft hervorrufen wird. Die Geschichten, die Scheherezade dem König Schehriyar jede Nacht erzählte, um ihr Leben zu retten, wurden im Westen zum repräsentativen Werk arabischer Literatur und Kultur.

Das Werk wurde mehrmals übersetzt und bearbeitet und aus diesem Grund kann als integraler Teil der europäischen Literatur betrachtet werden. Jeder der zahlreichen europäischen Übersetzer las den Text in seinem Sinne. Die Geschichte der Übersetzungen, oder passender wäre in den meisten Fällen von Adaptionen zu sprechen914, spiegelte die Merkmale der europäischen Literatur, ← 229 | 230 → Kultur und Sitten wider. Gallands Übersetzung galt bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts als Ausgangstext für alle Übersetzungen ins Deutsche. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1706 und die erste vollständige 1781–1785.915 Der Autor der ersten deutschen Fassung war Johann Heinrich Voß, der berühmte Homerübersetzer, der nach Abschluss der Arbeiten an der ersten Fassung seiner deutschen Odysee, eine Übersetzung Les mille et une nuit veröffentlicht.916 Polaschegg schreibt:

Allerdings war Voß durchaus bewußt, dass es hier kein Original, sondern nur...

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