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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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III. Schlusswort und Ausblick

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III.   Schlusswort und Ausblick

Das Orientbild changierte in Europa seit jeher zwischen unterschiedlichen, oft widersprüchlichen Vorstellungen und Erwartungen. Der Orient war entweder zu orientalisch, also zu imaginär, oder nicht orientalisch genug, d. h. zu real. Wenn er zu sehr in der Realität verwurzelt war, erwiesen sich die Orientreisen als enttäuschend, weil das Morgenland wahrscheinlich zu sehr von der europäischen, abendländischen Lebensweise und Philosophie durchdrungen war und seine Einmaligkeit verlor. Wenn er zu märchenhaft war, also sich zu sehr vom Abendland unterschied, galt er als ein barbarischer Ort der Verbannung.1109 Schon die ersten Orientreisenden konnten diese Gefühlsextreme gleichzeitig empfinden. Die Mischung aus historischer Feindseligkeit zwischen dem christlichen Okzident und dem muslimischen Orient, aus politischen Umständen, orientalischer Musik, Literatur, Malerei, Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, exotischen Landschaften und ewigen transkulturellen Städten faszinierte Europa schon in der Antike. Die oben genannten Motive belebten die Phantasie abendländischer Künstler im 17., 18. und 19. Jahrhundert und sie beeinflussen weiterhin die Orientwahrnehmung im 20. und 21. Jahrhundert. Das moderne Orientbild ist durch inhärente Paradoxien gekennzeichnet und oszilliert zwischen Realität, Imagination, inhaltlich Bekanntem und verwirrend Fremdem. Er ist einerseits zu erschließen und entzieht sich andererseits jeder eindeutiger Definition und genau darin liegt seine Wirkungsmacht. Der Orient ist im Zwischenraum, im Traum, im Mythos angesiedelt. Er ist die Natur- und Stadtlandschaft – die Welt des Sinnlichen und des Mystischen, des Irrealen in der konkreten Wirklichkeit. Das Morgenland ist ein...

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