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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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I. Einleitung

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I.   Einleitung

Seit langem setzt sich die deutschsprachige Literatur mit dem Orient, mit den Hochkulturen einer schwer einzugrenzenden Weltregion auseinander, die – so die vage, aber verbreitete Vorstellung – „im Osten“ liegt, und die als undefinierbare Masse und ein nicht mit Staatsgrenzen zu markierender Raum, der sich scheinbar nicht verorten lässt, wahrgenommen wird. Trotz der kulturellen, religiösen, wissenschaftlichen und politischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Orient und Okzident sollte man nicht vergessen, dass das reale und das imaginäre Morgenland einen großen Einfluss auf die deutschsprachige Philosophie, Kunst und Wissenschaft ausübte und die europäische Sehnsucht nach einem romantisch-mythischen Traumort verkörperte. Unterschiedliche Formen der produktiven Orient-Rezeption haben ihre Blütezeit in der Aufklärung, Weimarer Klassik, Romantik und Vormärz erlebt und zeugen davon, dass der Orient als ein bedeutender Partner der europäischen Kultur gesehen wurde und einen starken Impuls für den Dialog der europäischen und orientalischen Welt sendete. Dieser Dialog wurde im 18. und 19. Jahrhundert durch Neugier und Achtung vor dem Anderen geprägt. Die lange Rezeptions- und Faszinationsgeschichte orientalischer Länder und Völker ist seit dem 17. Jahrhundert ein Gegenstand intensiver kulturwissenschaftlicher, kunsthistorischer und literaturwissenschaftlicher Forschung. Die Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Andrea Polaschegg schreibt im Zusammenhang damit:

Bei allen wissenschaftlichen Fährnissen, die das Forschungsfeld des Orientalismus bereithält, muß, wer es zu Beginn des 21. Jahrhunderts betritt, eines gewiss nicht fürchten: Einsamkeit. Vor allem das Gebiet des 19. Jahrhunderts hat sich durch...

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