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Danzig/Gdańsk als Erinnerungsort

Auf der Suche nach der Identität im Werk von Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle

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Joanna Bednarska-Kociołek

Danzig/Gdańsk war im 20. Jahrhundert mehrmals Schauplatz der Weltgeschichte: Hier brach der Zweite Weltkrieg aus und hier entstand die polnische Gewerkschaft ‚Solidarnos´c´’. Die Autorin untersucht das literarische Bild der Stadt als doppelten Erinnerungsort bei Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle. Vergleichend arbeitet sie heraus, wie die Schriftsteller die kulturelle Diversität der Stadt vor dem historischen Hintergrund ästhetisch zum Ausdruck bringen und die identitätsstiftende Funktion Danzigs/Gdańsks literarisch diskutieren.

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VII. Zusammenfassung und Ausblick

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Für Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle ist die Empfindung des Ortes im Sinne der Heimat immer ein Ausgangspunkt. Die Stadt wird wiederholt als Ort der eigenen Kindheit und der ersten Lebenserfahrungen beschrieben. Die meisten Werke der besprochenen Schriftsteller sind Initiationstexte und es wird in ihnen die Entwicklung der Identität der Protagonisten beschrieben. Zwar betonen sie alle, dass die Handlung auch an anderen Orten der Welt spielen könnte, allerdings unter einer Voraussetzung: sie müssten ein ähnliches Schicksal wie Danzig / Gdańsk haben (z. B. Breslau / Wrocław; Stettin / Szczecin; Wilna / Wilno). Sie verhelfen der Stadt dazu, eine mythologisierte Rolle zu spielen, indem sie vor jeweils anderen zeitlichen Hintergründen die wichtigsten Wendepunkte der Metamorphose von Danzig zu Gdańsk anschaulich werden lassen. Eine zentrale Bedeutung hat dabei das Jahr 1945 und die Trennung der deutschen Stadtgeschichte von der polnischen. Dieser Moment wurde vor allem von Stefan Chwin als einer gezeigt, in dem Deutsche und Polen ein ähnliches Schicksal erlitten und als Opfer des Krieges dargestellt wurden, obwohl sie ganz gegensätzliche Kriegserfahrungen gemacht hatten.

Es ist interessant, wie sich die Perspektiven unterscheiden, aus denen heraus die Stadt beobachtet wird. Alle drei Schriftsteller schreiben über die Stadt ihrer Kindheit, die theoretisch immer die gleiche ist. In Wirklichkeit kann man aber feststellen, dass es drei verschiedene, wie gesagt, in der Phantasie entstandene Städte sind, die nur der gemeinsame Ort auf der Landkarte verbindet. Es scheint aber zugleich,...

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