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Traumsommer und Kriegsgewitter

Die politische Bedeutung des schönen Sommers 1914

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Matthias Bode

Im kollektiven Gedächtnis sind die Julikrise 1914 und das Augusterlebnis mit Sonne, Hitze und Ferienglück verbunden. Auf einen Traumsommer sei der Krieg wie ein Gewitter gefolgt. Basierend auf meteorologischen Daten, zeitgenössischen Quellen sowie retrospektiven Deutungen zeigt der Autor das Verhältnis zwischen Topos und Realität auf. Das Wettergeschehen während der Julikrise kann zwar mit dem „reinigenden Gewitter" durchaus in Einklang gebracht werden, aber erst das Sommerwetter im August hat die euphorische Herausstellung des „Augusterlebnisses" nachhaltig unterstützt. Die retrospektive Deutung von „Traumsommer" und „Kriegsgewitter" bildet so die Grundlage, argumentativ die schicksalsergebene Unschuld gegenüber einer Naturkatastrophe zu betonen. Der Autor untersucht, wie sich Strategien der Rechtfertigung und der Schuldzuweisung am Umgang mit dem Topos nachweisen lassen.

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2. Generationalität und Erinnerung

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2.  Generationalität und Erinnerung

2.1  Die Unschuld der Zeitzeugen

Die Erforschung des Kriegsbeginns 1914 – und der Schuld daran – gehört zu den klassischen Themen der politischen Geschichtsschreibung im 20. Jahrhundert. Die unübersehbare Zahl der Schriften zu diesem Thema beginnt mit der Publikation des „Weißbuchs“ der deutschen Regierung bereits am 4. August 1914, und aktuelle Diskussionen und Neuinterpretationen einhundert Jahre später verweisen auf die bis heute nachhaltige Faszination dieser Wochen.86

Dabei wäre es vermessen, innerhalb dieses Abschnitts auch nur annähernd vollständig die Literatur und die Forschungskontroversen nachzeichnen zu wollen. Vielmehr soll hier bewusst pointiert die Deutung der Julikrise im 20. Jahrhundert nachgezeichnet werden: Es soll gezeigt werden, wie das persönliche Erleben dieser Wochen auch noch Jahrzehnte später Auswirkungen auf die öffentliche Diskussion hatte.87

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