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Traumsommer und Kriegsgewitter

Die politische Bedeutung des schönen Sommers 1914

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Matthias Bode

Im kollektiven Gedächtnis sind die Julikrise 1914 und das Augusterlebnis mit Sonne, Hitze und Ferienglück verbunden. Auf einen Traumsommer sei der Krieg wie ein Gewitter gefolgt. Basierend auf meteorologischen Daten, zeitgenössischen Quellen sowie retrospektiven Deutungen zeigt der Autor das Verhältnis zwischen Topos und Realität auf. Das Wettergeschehen während der Julikrise kann zwar mit dem „reinigenden Gewitter" durchaus in Einklang gebracht werden, aber erst das Sommerwetter im August hat die euphorische Herausstellung des „Augusterlebnisses" nachhaltig unterstützt. Die retrospektive Deutung von „Traumsommer" und „Kriegsgewitter" bildet so die Grundlage, argumentativ die schicksalsergebene Unschuld gegenüber einer Naturkatastrophe zu betonen. Der Autor untersucht, wie sich Strategien der Rechtfertigung und der Schuldzuweisung am Umgang mit dem Topos nachweisen lassen.

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4. Das Wetter im Sprachbild

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4.  Das Wetter im Sprachbild

Da in dieser Studie nach dem Wirken, Erleben und der deutenden Weitergabe von meteorologischen Deutungen des Sommers 1914 gefragt wird, muss das den Zeitgenossen verfügbare sprachliche Inventar untersucht werden, auf das sie erzählend zurückgreifen konnten. Zunächst soll deshalb die Verwendung des Wetters als Metapher in der Literatur und in der zeitgenössischen Schulbildung untersucht werden. Wetterfühligkeit soll ebenfalls in ihrer zeitgenössischen Form dargestellt werden. Literarische Vor- und Geschmacksbildung, schulische Aufgabenkulturen und eine sich als naturwissenschaftlich gebende Erklärung nervöser Wetterauswirkungen präfigurierten das Klimaerleben des Sommers 1914 und gaben seiner Tradierung die textliche Form.

4.1  Wettermetapher in der Literatur

Welche sprachlichen Mittel die Menschen verwenden, ist abhängig von ihrer Sprache, damit von ihrer sprachlichen Vorbildung und Sozialisation. Vornehmlich literarisch und schulisch gebildete Menschen äußern sich schriftlich – und vornehmlich diese Gruppen betätigen sich literarisch.

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