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Kommentare zum Buch Rut von Josef Kara

Editionen, Übersetzungen, Interpretationen – Kontextualisierung mittelalterlicher Auslegungsliteratur

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Ingeborg Lederer-Brüchner

Dieser Band versammelt verschiedene hebräische Kommentarfassungen zum Buch Rut, die dem Exegeten Josef Kara im 11. und 12. Jahrhundert in Nordfrankreich zugeschrieben werden können. Diese Kommentare sind textkritisch ediert, ins Deutsche übersetzt und detailreich analysiert. Im Kontext mittelalterlicher Bibelauslegung erörtert die Verfasserin die Kommentare. Dabei diskutiert sie die Verwendung sogenannter Glossenkommentare ebenso wie Fragen nach der Autorschaft mittelalterlicher Kommentare, ihre Bearbeitungen und die in den Kommentaren verwendeten Auslegungsarten. Besonders geht die Verfasserin auf die Rolle rabbinischer Traditionsliteraturen ein und behandelt philologische Grundlagenfragen. Durch die Studien der vorliegenden Kommentare ergibt sich eine neue Sicht auf mittelalterliche jüdische Bibelauslegung. Die Ausführungen beruhen auf Kommentaren zum Buch Rut in acht Manuskripten (z.B. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Ms.or.fol.1221, London – The British Library Add. 22413 und Zürich – Zentralbibliothek Ms Or 157), die durch Abbildungen veranschaulicht werden.
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3. Die nordfranzösische Bibelexegese im 11. und 12. Jahrhundert

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3. Die nordfranzösische Bibelexegese im 11. und 12. Jahrhundert

Ziel der folgenden Darstellung ist die Orientierung im historischen Kontext jener Zeit, die als die Entstehungszeit der hier behandelten Kommentar-Fassungen zum Buch Rut gilt. Die Kommentatoren, von denen im Folgenden die Rede ist, leben und wirken im 11. und 12. Jahrhundert. In diesem Kapitel wird einerseits ein Überblick über den historischen Hintergrund der Auslegungen zum Buch Rut und des darin auftretenden Textverständnisses vermittelt. Andererseits wird eine Vorschau auf die Ausführungen zur Kommentarliteratur gegeben. Die Kommentatoren Rashi und Kara, mit denen sich die vorliegende Arbeit hauptsächlich beschäftigt, werden genauer dargestellt, andere werden nur kurz genannt.61

3.1. Orientierung im historischen Kontext

Im 11./12. Jahrhundert befinden wird uns im sog. Hochmittelalter, das trotz der großen Kreuzzüge nicht nur finster erscheinen muss.62 Im allgemeinen gesellschaftlichen Gefüge kommt es zu wichtigen Veränderungen:63 Städte wachsen, Handel und Wirtschaft verzeichnen Konjunktur.64 Ein allgemeiner Aufbruch im Denken ist sichtbar, das kritische Denken nimmt zu, das philologische Interesse rückt bei der Auslegung in den Vordergrund von Textbetrachtungen, was auch für Bibeltexte gilt.65 Universitäten entstehen ab dem 11. Jahrhundert, 1088 in←35 | 36→ Bologna und 1200 in Paris. Für die Bibelexegese in Nordfrankreich jener Zeit ist in der Forschungliteratur sogar von einer “Revolution” die Rede.66 Trotz der anzunehmenden Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Religionen kommt es jedoch schon 1010 und 1063 zu Ausfällen gegen Juden.67 Rashi (1040–1105) bekommt sicherlich...

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