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Kommentare zum Buch Rut von Josef Kara

Editionen, Übersetzungen, Interpretationen – Kontextualisierung mittelalterlicher Auslegungsliteratur

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Ingeborg Lederer-Brüchner

Dieser Band versammelt verschiedene hebräische Kommentarfassungen zum Buch Rut, die dem Exegeten Josef Kara im 11. und 12. Jahrhundert in Nordfrankreich zugeschrieben werden können. Diese Kommentare sind textkritisch ediert, ins Deutsche übersetzt und detailreich analysiert. Im Kontext mittelalterlicher Bibelauslegung erörtert die Verfasserin die Kommentare. Dabei diskutiert sie die Verwendung sogenannter Glossenkommentare ebenso wie Fragen nach der Autorschaft mittelalterlicher Kommentare, ihre Bearbeitungen und die in den Kommentaren verwendeten Auslegungsarten. Besonders geht die Verfasserin auf die Rolle rabbinischer Traditionsliteraturen ein und behandelt philologische Grundlagenfragen. Durch die Studien der vorliegenden Kommentare ergibt sich eine neue Sicht auf mittelalterliche jüdische Bibelauslegung. Die Ausführungen beruhen auf Kommentaren zum Buch Rut in acht Manuskripten (z.B. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Ms.or.fol.1221, London – The British Library Add. 22413 und Zürich – Zentralbibliothek Ms Or 157), die durch Abbildungen veranschaulicht werden.
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17.10.2. Le’azim im Kommentar zu Rut 2

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MS London 22413 zu Rut 1,21, Randglosse Zeile 13 und 15: אוויִידְמַנְטְ und וויְיה

Der inhaltliche Kontext findet sich diesbzgl. zu Rut 1,9:

כי המר שדי לי מאד‘ היאך שאני מלאה הלכתי באישי ובבניי י’ ובעושר וריקם‘ שם דבר’ ריקנותי י’ אוויִידְמַנְטְ’ כמ’ מדיבר אין בהם’ לי נקם ושילם’ וקבל היהודים’ ואין לפרשו ריקם וויְיה’ אלא ריקנות כמ’ לא יראו פני ריקם ריקנות

Denn der Ewige hat [es] mir sehr bitter ergehen lassen. (In)wie(fern)? [Insofern als] dass ich voll [hier weg] gegangen bin, mit meinem Mann und meinen Söhnen, und mit Reichtum. Und [in] Leere [hat er mich nun zurückkehren lassen] – das ist ein Begriff [für] meine Leere אוויידמנט , wie das Wort [Gottes] ist nicht in ihnen (Jer. 5,13); Mir [gehört] die Rache und Heimzahlung (Dt. 34,35); Und die Juden nahmen [es als Brauch] an (Ester 9,23), und dies [hier in Rut 1,21] ist [ebenfalls] nicht als ‘arm’ auszulegen, ווייה, sondern [als] Leere, wie Ihr sollt euch nicht [mit] leer[en Händen] vor mir zeigen (Ex. 23,15 bzw. 34,20) [ein Ausdruck für] ‘Leere’ ist.

Die erste mundartliche Glosse in diesem Abschnitt אוויִידְמַנְטְ kann umschrieben werden als a vuidement ‘zur Entleerung, zur Leere’.1091 Die zweite Glosse könnte sich als vie ‘Leben’1092 lesen lassen, wobei der inhaltliche Bezug nicht direkt gegeben ist. Eventuell könnte dieses Wort als abweichende Lesart von vuide ‘leer’1093 interpetiert werden.

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