Show Less
Restricted access

Philosophie der Kultur- und Wissensformen

Ernst Cassirer neu lesen

Series:

Edited By Tobias Endres, Pellegrino Favuzzi and Timo Klattenhoff

Das Potenzial der Philosophie Ernst Cassirers ist keinesfalls erschöpft, sondern vielmehr in systematischer, transdisziplinärer und gesellschaftlich relevanter Perspektive anschlussfähig, um Fragestellungen der Gegenwartsphilosophie und der Wissenschaften zu begegnen. Die Cassirer-Rezeption befindet sich in dieser Hinsicht an der Schwelle des Eintritts in eine neue Phase, die im Lichte eines ‚Neulesens‘ sowie einer zunehmend globalen Vernetzung betrachtet werden kann. Von der Wissensforschung und Wahrnehmungstheorie über neue Gebiete symbolischer Formung wie Film, Geld und Virtualität bis zum spannungsreichen Verhältnis zwischen Demokratie und Mythos: Die Beiträge des Bandes verstehen sich als Aktualisierung von Cassirers Philosophie der Kultur- und Wissensformen im 21. Jahrhundert.

Show Summary Details
Restricted access

Servanne Jollivet - Die Kulturphilosophie Cassirers in der Historismus-Debatte

Extract

| 239 →

Servanne Jollivet

Die Kulturphilosophie Cassirers in der Historismus-Debatte

Abstract: The article focuses on Cassirer’s contribution to a pluralistic philosophy of history and culture and the consequential challenge of relativism. Cassirer’s reflections on historicity and normativity are subsequently discussed with a view of the historicism-debate, positions of the two schools of neo-Kantianism, and phenomenology. The reconstructed approach finally gives up the dualism between historical-cultural relativism and objective-normative dogmatism by relating to Cassirer’s notion of original phenomena.

1. Zum Kontext der Historismus-Debatte

Der Historismus ist nicht nur ein viel debattiertes Thema der akademischen Geschichtswissenschaften, vielmehr hat er seit dem 19. Jahrhundert das philosophische Denken tief ergriffen und erschüttert,1 was weitreichende Folgen für postmetaphysische und pluralistische Konzeptionen des Wahrheitsbegriffs hatte. In Auseinandersetzung mit den metaphysischen Voraussetzungen der hegelianischen Geschichtsphilosophie hat diese Bewegung allmählich eine wirkliche ‚historische Wende‘ in den meisten Disziplinen – in der Geschichtswissenschaft, aber auch im Recht, in der Ökonomie und in der Theologie – herbeigeführt. Mit ← 239 | 240 → der kritischen Kraft eines solchen Historisierungsprozesses konfrontiert, mussten nun alle Fächer ihre anfängliche Berufung und Voraussetzungen neu definieren, was zu zahlreichen Debatten (Methodenstreit, Lamprechtstreit, Werturteilstreit) im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts führte. Während sich spekulative bzw. theoretische Schulen mit positiven Schulen bekämpfen, beziehen viele Philosophen Stellung als Reaktion auf diese Herausforderung: Entweder indem sie die empirische bzw. geschichtliche Forschung in den Blick nehmen oder indem sie sich auf eine übergeordnete Position berufen und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.