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Deutungsspielräume

Mehrdeutigkeit als kulturelles Phänomen

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Edited By Nicolas Potysch and Matthias Bauer

Dieser Band ist aus einer interdisziplinären Ringvorlesung hervorgegangen, die von den Doktorandinnen und Doktoranden des Tübinger Graduiertenkollegs „Ambiguität: Produktion und Rezeption", federführend Nicolas Potysch und Sophia Kuhs, initiiert und geplant wurde. In den Beiträgen aus 12 verschiedenen Fachgebieten geht es darum, wie sprachliche und semiotische Mehrdeutigkeit an die Deutung der Wirklichkeit rückgebunden ist. Die Beiträge untersuchen Ambiguität (als Mehrzahl abgrenzbarer Bedeutungen) und Vagheit (als Spektrum nicht abgrenzbarer Bedeutungen) in Texten und Bildern. In Verbindung damit diskutieren sie zahlreiche Phänomene in kultureller, politischer, juristischer, psychologischer und didaktischer Praxis, die deutungsoffen und deutungsbedürftig sind.

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Ambiguität und Deutungsoffenheit im Recht. Zur Auslegung und Auslegbarkeit von Gesetzestexten

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Abstract

All texts of statutory law (mostly single law sections to be applied to a certain kind of cases) are suitable (or open) to interpretation and necessarily subject to interpretation as well. Accordingly, the naïve assumption (in philosophy of law and in theories of democracy) that the “intention of the legislator” can be directly inferred from the pure “wording” of the statutory law text is – linguistically seen – an illusion. The author demonstrates in this chapter the reasons why “text understanding” or “text interpretation” are less suitable terms for law interpretation than the term “working with texts” is. The chapter discusses the question which linguistic concepts, models or viewpoints are most likely suitable for an adequate description and explanation of the strategic and functional interpretability of each text of statutory law.

1.  Rechtliche Voraussetzungen der Gesetzesauslegung

Dass Wörter (ob geschrieben oder gesprochen) eine im Grunde feste, stabile und im Prinzip eher klar umgrenzte Bedeutung haben, das ist eine latente Sprach-Auffassung nicht nur im Alltagsleben, sondern auch unter vielen Juristen sowie sogar manchen Rechtstheoretikern. Meist wird diese ‚Alltagstheorie der Sprache‘ mehr oder weniger unbewusst auch auf alle anderen Arten und Größen von sprachlichen Einheiten übertragen, also auf Sätze, kommunikative Äußerungen oder auch Texte und ihre Bestandteile.1 Interessanterweise erfreuen sich diese meist eher alltagssprachfernen nicht-sprachwissenschaftlichen Sprachtheorien gerade auch bei Juristen und Rechtstheoretikern großer Beliebtheit, während die Sprachkonzeptionen derjenigen Wissenschaftler, die im Unterschied zu Philosophen und Logikern eng am...

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