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Goethes Persien-Bild

Eine intertextuelle Studie zum «West-Östlichen Divan»

Series:

Atefeh Soleimani

Die Autorin rekonstruiert Goethes Persien-Bild, wie es sich einerseits aus dem «West-Östlichen Divan» und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Sie fasst Goethes Text als eine Art Austauschprojekt zwischen Ost und West und nicht als eine bloße Rekonstruktion orientalischer Dichtungstraditionen auf. Transkulturell verstanden, thematisiert der «Divan» eine Öffnung zwischen okzidentalischen Bausteinen und orientalischen Werten. Das Buch diskutiert die Rolle der persischen Dichter Saʿdi und Ḥāfeẓ als intertextuelle Quellen sowie Goethes literarische Verarbeitung der Vorlagen.

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1 Einleitung

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1    Einleitung

1.1    Fragestellung und Zielsetzung

Ziel der vorliegenden Studie ist es, Goethes Persien-Bild zu rekonstruieren, wie es sich einerseits aus dem West-Östlichen Divan2 und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Der Begriff des Persien-‚Bildes‘ erscheint insofern gerechtfertigt, als Goethe sich nicht etwa nur mit persischen Dichtern, sondern auch mit deren kulturellem und historischem Umfeld auseinandergesetzt hat – fasziniert von der ihn reizenden Fremde des Orients und vom Wunsch, die interkulturelle Rezeption auf literarisch produktive Weise zu entfalten: in einer eigenen Dichtung, die sich dadurch auszeichnet, dass sie ständig auf persische Dichter, deren sprachliche und literarische Eigenarten sowie deren theologisch-philosophische Grundlagen verweist. Er tritt mit dem West-Östlichen Divan als Dichter hervor, aber auch als Gelehrter, der seine eigene Dichtungspraxis in mitveröffentlichten Kommentaren und Anmerkungen offenlegt, so dass er der erste Interpret seines eigenen Werkes genannt werden kann. Goethes Persien-Bild ist ein Resultat dichterischer und poetologischer Praxis.

Dass Goethe sich überhaupt mit persischer Dichtung ferner Zeiten befasste, wurzelt zwar im allgemeinen Interesse Goethes an fremden Kulturen, Literaturen und Künsten; aber es gibt einen konkreten Anlass, eine Motivation, die durchaus nicht aus dem Orient kam, sondern aus dem aktuellen ← 13 | 14 → historisch-politischen Zusammenhang: der ausgehenden Napoleon-Zeit, die Goethe dazu veranlasste, sich umgekehrt zur nationalen Euphorie der Befreiungskriege zu verhalten und sich zurückzuziehen. Diese Motivation hat er gleichsam als Programm im Gedicht „Hegire...

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