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Goethes Persien-Bild

Eine intertextuelle Studie zum «West-Östlichen Divan»

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Atefeh Soleimani

Die Autorin rekonstruiert Goethes Persien-Bild, wie es sich einerseits aus dem «West-Östlichen Divan» und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Sie fasst Goethes Text als eine Art Austauschprojekt zwischen Ost und West und nicht als eine bloße Rekonstruktion orientalischer Dichtungstraditionen auf. Transkulturell verstanden, thematisiert der «Divan» eine Öffnung zwischen okzidentalischen Bausteinen und orientalischen Werten. Das Buch diskutiert die Rolle der persischen Dichter Saʿdi und Ḥāfeẓ als intertextuelle Quellen sowie Goethes literarische Verarbeitung der Vorlagen.

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2 Textgenetische Aspekte: Zur Entstehungsgeschichte des West-Östlichen Divan

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2    Textgenetische Aspekte: Zur Entstehungsgeschichte des West-Östlichen Divan

1814/15, während der Arbeiten am West-Östlichen Divan, beschaffte sich Goethe unter anderem die poetischen Arbeiten von Ferdōsī (Šāhnāme, entstanden 977–1010) sowie die von Saʿdī.40 Zudem befasste er sich mit den Werken von William Jones’ Poeseos Asiatica Commentariorum Libri Sex (1777 in Deutschland erschienen), Thomas Hydes Historia Religionis veterum Persarum eorumque Magorum Religionis (1777) und Edward Scott Warings Reise nach Sheeraz auf dem Wege nach Kazroon und Feerozabad (1807).41 Daneben studierte er ausführlich die von Joseph von Hammer-Purgstall herausgegebenen Zeitschrift Fundgruben des Orients (erschienen 1809–1818).42 Goethes Interesse am Orient lässt sich noch auf weitere Quellengrundlagen zurückführen. Begeistert war er, wie er selbst in den „Noten und Abhandlungen“ erläutert hat, zum Beispiel von den sogenannten Moʿallaqāt, den arabischen Gedichtformen:

Bey einem östlichen Volke den Arabern, finden wir herrliche Schätze an den Moallakat. Es sind Preisgesänge, die aus dichterischen Kämpfen siegreich hervorgingen; Gedichte, entsprungen vor Mahomets Zeiten, mit goldenen Buchstaben geschrieben, aufgehängt an den Pforten des Gotteshauses zu Mekka. Sie deuten auf eine wandernde, heerdenreiche, kriegerische Nation, durch den Wechselstreit mehrerer Stämme innerlich beunruhigt. Dargestellt sind: festeste Anhänglichkeit an Stammgenossen, Ehrbegierde, Tapferkeit, unversöhnbare Rachelust gemildert durch Liebestrauer, Wohlthätigkeit, Aufopferung, sämmtlich gränzenlos. Diese Dichtungen geben uns einen hinlänglichen Begriff von der hohen Bildung des Stammes der Koraischiten, aus welchem Mahomet selbst entsprang, ihnen...

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