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Goethes Persien-Bild

Eine intertextuelle Studie zum «West-Östlichen Divan»

Series:

Atefeh Soleimani

Die Autorin rekonstruiert Goethes Persien-Bild, wie es sich einerseits aus dem «West-Östlichen Divan» und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Sie fasst Goethes Text als eine Art Austauschprojekt zwischen Ost und West und nicht als eine bloße Rekonstruktion orientalischer Dichtungstraditionen auf. Transkulturell verstanden, thematisiert der «Divan» eine Öffnung zwischen okzidentalischen Bausteinen und orientalischen Werten. Das Buch diskutiert die Rolle der persischen Dichter Saʿdi und Ḥāfeẓ als intertextuelle Quellen sowie Goethes literarische Verarbeitung der Vorlagen.

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3 Einführung in die klassische persische Dichtung

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3    Einführung in die klassische persische Dichtung

Eine gründliche Untersuchung von Goethes West-Östlichem Divan setzt eine gewisse Kenntnis der persischen Dichtung voraus, schon um den spezifischen Blick Goethes auf die europaferne Kultur zu beschreiben. Im Folgenden soll eine zusammenhängende Übersicht über die persische Dichtung mit dem Schwerpunkt auf der klassischen Zeit (9. bis ausgehendes 15. Jh.)103 entwickelt werden. Dabei können selbstverständlich nur Schlaglichter untersucht und es müssen solche Schwerpunkte gesetzt werden, die für Goethes Rezeption bedeutsam sind. Am zweckmäßigsten dafür ist eine historisch-chronologische Ordnung, die zugleich die wichtigsten politischen wie kulturellen Voraussetzungen der Dichtung berücksichtigt.

Die Dynastie der Abbasīden (750–1258) spielt in der Entwicklung der persischen Literatur eine große Rolle. Den persischen Dichtern wurde stets ein freundlicher Empfang in Bagdad am Hofe von Hārūn ar-Rašid (786–809) während dessen Herrschaft bereitet.104 Als Harun gestorben war, ging die Macht auf seine beiden Söhne über, Amīn und Maʿmūn. Die Mutter von Maʿmūn war eine persische Sklavin. Auch vor allem durch sie wurde die persische Dichtung sich ihrer Eigenständigkeit bewusst, eine Art Wiedergeburt des antiken Persien ließ Lyrik und Prosa neu aufblühen.105

Der Überblick berücksichtigt insbesondere Fragen der Versbildung und des Metrums, weil diese Grundelemente jeder Lyrik stark von der europäischen bzw. deutschen Prosodie abweichen. Um die persische Poesie besser verstehen zu können, muss man zunächst...

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