Show Less
Restricted access

Goethes Persien-Bild

Eine intertextuelle Studie zum «West-Östlichen Divan»

Series:

Atefeh Soleimani

Die Autorin rekonstruiert Goethes Persien-Bild, wie es sich einerseits aus dem «West-Östlichen Divan» und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Sie fasst Goethes Text als eine Art Austauschprojekt zwischen Ost und West und nicht als eine bloße Rekonstruktion orientalischer Dichtungstraditionen auf. Transkulturell verstanden, thematisiert der «Divan» eine Öffnung zwischen okzidentalischen Bausteinen und orientalischen Werten. Das Buch diskutiert die Rolle der persischen Dichter Saʿdi und Ḥāfeẓ als intertextuelle Quellen sowie Goethes literarische Verarbeitung der Vorlagen.

Show Summary Details
Restricted access

4 Saʿdi

Extract

studierte an der berühmten islamischen Hochschule, die von dem seldschukischen Wesir Neẓāmol Molk (1018–1092) gegründet worden war. Nach dem Studium tätigte er zahlreiche Reisen in verschiedene Länder am Persischen Golf, nach Syrien, Kleinasien, Indien und Ägypten, wo er sich in die Lehre des Islams vertiefte und bekannte Dichter und Gelehrte der islamischen Welt kennenlernte. Er pilgerte vierzehnmal nach Mekka und nahm in Indien am Heiligen Krieg teil.255 Saʿdi erzählt im Gōlestān 2. Zugangstor 31. Abschnitt:

Als ich einst der Gesellschaft meiner Freunde in Damaskus überdrüssig geworden war, flüchtete ich mich in die Wüste von Jerusalem und nahm die wilden Tiere zu meinen Vertrauten. Zuletzt aber geriet ich in die Gefangenschaft der Franken und wurde in einem Graben von Tripolis zusammen mit Juden zu Erdarbeiten gezwungen. Bis eines Tages ein vornehmer Mann aus Aleppo, mit dem ich früher bekannt gewesen war, vorbeikam, mich erkannte. […] Er wurde durch meine Lage zum Mitleid bewegt, kaufte mich für zehn Dinare aus den Ketten der Franken los und nahm mich mit nach Aleppo.256 ← 83 | 84 →

Saʿdi kam 1255 nach Šīrāz zurück. Er stellte seine Weltkenntnis in seinen Erzählungen und Aphorismen unter Beweis.257 Saʿdi begegnete damals bedeutenden Mystikern wie Sohrewardī (1153–1191) und Ğalāleddīn Rūmī, die ihn mit dem Sufismus bekannt machten.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.