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Goethes Persien-Bild

Eine intertextuelle Studie zum «West-Östlichen Divan»

Series:

Atefeh Soleimani

Die Autorin rekonstruiert Goethes Persien-Bild, wie es sich einerseits aus dem «West-Östlichen Divan» und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Sie fasst Goethes Text als eine Art Austauschprojekt zwischen Ost und West und nicht als eine bloße Rekonstruktion orientalischer Dichtungstraditionen auf. Transkulturell verstanden, thematisiert der «Divan» eine Öffnung zwischen okzidentalischen Bausteinen und orientalischen Werten. Das Buch diskutiert die Rolle der persischen Dichter Saʿdi und Ḥāfeẓ als intertextuelle Quellen sowie Goethes literarische Verarbeitung der Vorlagen.

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6 Der deutsche Blick auf die klassische persische Dichtung

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6    Der deutsche Blick auf die klassische persische Dichtung

6.1    Adam Olearius

Seit dem Mittelalter sind Belege für den Einfluss des Orients in der deutschen Literatur vorhanden. Das 17. Jahrhundert brachte die ersten Kontakte und Beziehungen zu Persien: In der Zeit von 1635–1639 war Adam Olearius (1603–1675) mit einer Gesandtschaft des Herzogs von Schleswig-Holstein in Persien. In seinem Reisetagebuch 1674 gab er alle Informationen, die er über dieses fremde Land erhalten konnte, zu Protokoll und zur Veröffentlichung frei. Olearius veröffentlichte 1656 dank seiner erworbenen Sprachkenntnisse in Persien eine hervorragende Übersetzung von Saʿdis Gōlestān.849

Die Übersetzung von Saʿdis Gōlestān war der Anfang von Adam Olearius’ Übersetzungsversuchen persischer Literatur in die deutsche Sprache. Saʿdis Werk ist unter dem Titel Persianischer Rosenthal nach der ersten Herausgabe des Reiseberichts in Hamburg erschienen. Es war eine Zusammenarbeit mit seinem persischen Freund Ḥaqwerdī, der als Sekretär der Gesandtschaft des Šah von Persien mit Herzog Friedrich III. zu tun hatte.850

Die erste deutsche Übersetzung des Gōlestān von Johan Friedrich Ochssenbach (Ochsenbach) wurde unter dem Titel Gvlistan, das ist, Königlicher Rosengarten, im Jahr 1636 herausgegeben. Als Basis benutzte Ochssenbach die französische Übersetzung des Gōlestān (1634) von André du Ryer (1580–1660), die Westeuropa mit Saʿdi bekannt machte. Im Jahr 1651 ist eine lateinische Übersetzung des Gōlestān von Georg Gentius (1618–1687) veröffentlicht worden.851

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