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Der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur

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Fabian Münch

Der Autor untersucht die übergeordnete Rolle, die der Erste Weltkrieg in der «kurzen» Geschichte Australiens spielt. Dieser Krieg und der in seiner Folge entstandene Anzac-Mythos besitzen seit der Landung australischer Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915 eine herausgehobene Stellung im Geschichtsbewusstsein vieler Australierinnen und Australier. Das Buch zeigt auf, wie sich dies in der Geschichtskultur des Landes manifestiert hat. Der Autor analysiert den diachronen Wandel der Objektivationen des Geschichtsbewusstseins (beispielsweise Gedenktage, Denkmale oder Filme) und ermöglicht so ein besseres Verständnis der Geschichte und Kultur Australiens.
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2. Der Begriff der Geschichtskultur

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2.  Der Begriff der Geschichtskultur

2.1   Geschichtskultur als Untersuchungsgegenstand

Entscheidend für die Anfänge der Entwicklung des Begriffes „Geschichtskultur“ zum Forschungsparadigma und zur Leitkategorie in der Geschichtsdidaktik war Karl-Ernst Jeismann, der 1976 auf dem Historikertag in Mannheim „Geschichtsbewußtsein in der Gesellschaft“1 zum Forschungsgegenstand der Geschichtsdidaktik erklärte und den Horizont des Faches weit über den einer „Schulfachdidaktik“ hinaus erweiterte.2 Schon damals wurde der Forschungsbereich der Geschichtsdidaktik „auf die Gesamtgesellschaft und ihren Umgang mit der Vergangenheit“3 ausgeweitet. Aus heutiger Perspektive kann Jeismanns Definition des Geschichtsbewusstseins somit als Fundament des geschichtsdidaktischen Forschungskonzeptes „Geschichtskultur“ bezeichnet werden. Ausgehend von der Feststellung, dass „,Geschichte’ aber nicht als Abbild vergangener Realität, sondern nur als ihre aus Zeugnissen erstellte, auswählende und deutendende Rekonstruktion ins Bewusstsein treten kann“4 definierte Jeismann das Geschichtsbewusstsein als „Wissen um die Geschichtlichkeit […], das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Horizont des gegenwärtigen Bewußtseins begreift“. Deshalb sah Jeismann „[d]ie Erweiterung der geschichtsdidaktischen Perspektive, die sich nicht mehr allein auf Vermittlungsprozesse im Unterricht richtet, […] im Begriff des Geschichtsbewußtseins angelegt.“5 Aus dieser Erkenntnis wiederum leitet sich die Forderung an den Geschichtsunterricht ab, die Fähigkeit der „ ‘Geschichtsbewußtheit‘ “6 zu vermitteln, d. h.

die Heranwachsenden zu befähigen, mit den unterschiedlichen und in Zukunft sich stets wandelnden Angeboten historischer Deutung im Horizont ihrer Gegenwart ← 27 | 28 → sich auseinanderzusetzen und selber in wichtigen Fragen zu einer begründeten geschichtlichen Vorstellung zu finden.7

Nach dieser Neudefinition des Forschungsschwerpunktes der...

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