Show Less
Restricted access

Der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur

Series:

Fabian Münch

Der Autor untersucht die übergeordnete Rolle, die der Erste Weltkrieg in der «kurzen» Geschichte Australiens spielt. Dieser Krieg und der in seiner Folge entstandene Anzac-Mythos besitzen seit der Landung australischer Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915 eine herausgehobene Stellung im Geschichtsbewusstsein vieler Australierinnen und Australier. Das Buch zeigt auf, wie sich dies in der Geschichtskultur des Landes manifestiert hat. Der Autor analysiert den diachronen Wandel der Objektivationen des Geschichtsbewusstseins (beispielsweise Gedenktage, Denkmale oder Filme) und ermöglicht so ein besseres Verständnis der Geschichte und Kultur Australiens.
Show Summary Details
Restricted access

5. Geschichtskuturelle Objektivationen des Ersten Weltkrieges in Australien

Extract

5.  Geschichtskuturelle Objektivationen des Ersten Weltkrieges in Australien

5.1   Anzac Day

5.1.1    Funktionen von Gedenktagen

Gedenktage sind wichtige Elemente der Geschichtskultur. Sie bilden Orientierungspunkte in der Gegenwart, indem sie an den Ursprung einer Gemeinschaft, wie der Nation, oder an wichtige Personen oder Ereignisse in ihrer Geschichte erinnern, „denen eine gesellschaftliche, nationale, übernationale oder gar universalhistorische Bedeutung zugemessen wird“1, um den Zusammenhalt der Gemeinschaft bzw. im nationale Rahmen der imagined community zu stärken. Historisch besitzen Gedenktage einen zweifachen Ursprung: Einerseits entstanden sie aus religiös motivierten, jährlich stattfindenden Festen und Feiern zu Ehren sagenhafter Ereignisse oder Figuren wie Göttern, Heroen oder Heiligen, die das Selbstbewusstsein von Kleingruppen bis hin zu ethnischen und religiösen Großgruppen stärkten und ihr Identitätsbedürfnis befriedigten.2 In der Frühen Neuzeit wurden die kirchlichen Gedenktage und Jubiläen dann konfessionalisiert und ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert schließlich säkularisiert. Es entwickelten sich nationale Gedenktage wie der 4. Juli in den USA, der Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, oder der 14. Juli in Frankreich, der Jahrestag der Erstürmung der Pariser Bastille. Im 19. Jahrhundert wurden Jubiläen und jährliche Gedenktage dann fester Bestandteil des gesellschaftlichen und politischen Kalenders aller Nationen, wobei nun an Ursprungsdaten erinnert und Personen verehrt wurden, denen eine besondere Bedeutung in der Geschichte der Nation zugesprochen wurde. Daneben entwickelte sich aus der Tradition des jüdischen „Jobeljahres“ und des mittelalterlichen Heiligen Jahres das moderne Jubiläum, das...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.