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Der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur

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Fabian Münch

Der Autor untersucht die übergeordnete Rolle, die der Erste Weltkrieg in der «kurzen» Geschichte Australiens spielt. Dieser Krieg und der in seiner Folge entstandene Anzac-Mythos besitzen seit der Landung australischer Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915 eine herausgehobene Stellung im Geschichtsbewusstsein vieler Australierinnen und Australier. Das Buch zeigt auf, wie sich dies in der Geschichtskultur des Landes manifestiert hat. Der Autor analysiert den diachronen Wandel der Objektivationen des Geschichtsbewusstseins (beispielsweise Gedenktage, Denkmale oder Filme) und ermöglicht so ein besseres Verständnis der Geschichte und Kultur Australiens.
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6. Fazit und Ausblick

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6.  Fazit und Ausblick

Geschichtskultur ist ein soziales System, das durch kulturelle Kommunikation entsteht, und sich über Manifestationen des Geschichtsbewusstseins wie der Historiographie, Denkmalen oder Schulbüchern verobjektiviert. Geschichtskultur europäischer Prägung konnte sich in Australien jedoch erst nach der Ankunft der First Fleet im Jahre 1788 etablieren, da die australischen Ureinwohner Vergangenheit vornehmlich oral in Form von Ursprungsgeschichten tradierten. In den Kolonien bildete sich eine imperiale Geschichtskultur heraus, wobei sich nationalisierende Tendenzen im Rahmen des Nationsbildungsprozesses der 1890er Jahre bzw. ab Gründung des Commonwealth of Australia im Jahre 1901 ausmachen lassen. Die australische Geschichtskultur wird von den beiden als Gründungsmomenten wahrgenommenen Ereignissen und den damit verbundenen Mythen dominiert: der Landung der First Fleet 1788 und der ihr folgenden konfliktreichen Besiedelung des Landes sowie der „nationalen Feuertaufe“ im Ersten Weltkrieg am 25. April 1915, dem Tag des Angriffs der Anzacs auf die Gallipoli-Halbinsel.

Der Erste Weltkrieg wird in Australien als zentraler historischer Wendepunkt wahrgenommen und besitzt einen hohen Stellenwert in der nationalen Geschichtskultur. Dies bestätigt die synchrone wie diachrone Erforschung der während und nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen geschichtskulturellen Objektivationen. Der historische Wandel, dem die Manifestationen des Geschichtsbewusstseins in den drei von Jörn Rüsen beschriebenen Dimensionen unterliegen, ist ein deutlicher Beleg für Bernd Schönemanns These von der Historisierbarkeit der Geschichtskultur. Es lassen sich ebenso die von Schönemann identifizierten geschichtskulturellen Leitmuster „Geschichte als Nutzen“, „Geschichte als Bildung“ und „Geschichte als Erlebnis“ identifizieren, wobei speziell für den...

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