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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Antike Kollegen des „Dottore“ (Peter Rau)

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Peter Rau

Antike Kollegen des „Dottore“

Den Ursprung der „commedia dell’arte“1, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien ihren Anfang nahm, hat man noch nicht eindeutig klären können. Herleitungen aus volkstümlichen Traditionen, aus den antiken oskischen Atellanen oder aus mittelalterlichem Volkstheater und Karneval, stehen solchen aus literarischer Tradition, aus der Plautus und Terenz rezipierenden „commedia erudita“ der Humanisten gegenüber, ohne jeweils als einzige Theorie ganz zu überzeugen. Für eine Herleitung aus der „commedia erudita“ spricht immerhin, dass diese seit dem 15. Jahrhundert voranging mit Aufführungen anfangs in lateinischer Sprache, dann – zuerst 1486 am Hofe von Ferrara die Menaechmi des Plautus – auch in italienischen Übersetzungen, Adaptationen und eigenen Stücken nach antikem Muster, die sehr beliebt waren. Sie konnten auch Muster der Charakterzeichnung und bürgerlicher Intrigenhandlung abgeben. Sie waren freilich schriftlich gefasst, während das Spiel der „commedia dell’arte“ gerade ohne fixierten Text improvisiert wurde. Man wird also besser mit volkstümlicher Abwandlung antiker Theatertradition rechnen. Begründet wurde die „commedia dell’arte“ durch Wandertruppen, zu denen sich Schauspieler, die als klassische Komödianten begonnen hatten, zusammenschlossen, um ihre Kunst weiter zu verbreiten. Dazu brauchten sie ein Repertoire, und Basis dieses Repertoires waren sie selbst. Sie brauchten nur jeweils aus dem immer aufs Neue variierbaren bürgerlichen Leben und den darin typisch agierenden Charakteren die Rollen und einen Handlungsablauf zu verabreden, den Text dazu improvisierten sie mit Erfahrung und Phantasie aus dem Charakter heraus, den sie...

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