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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Faszination der Dekadenz. Satyricon – Petrons Roman und Fellinis Film (Kurt Steinmann)

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Kurt Steinmann

Faszination der Dekadenz. Satyricon – Petrons Roman und Fellinis Film

Am Beispiel von Satyricon (1969) soll gezeigt werden, wie genau und wie frei zugleich der italienische Regisseur Federico Fellini mit einem klassischen Stoff umzugehen verstand1, der ihm zur Parabel der Gegenwart wurde.

„Es gibt nichts Verfehlteres als die unsinnige Voreingenommenheit der Menschen und nichts Dümmeres als gleisnerische Sittenstrenge“ (132,16). Aus diesem Satz des zur Zeit Neros spielenden und geschriebenen Romans, der uns nur zu einem Bruchteil überliefert ist, darf man die Summe der Petron’schen Welt- und Menschenerfahrung herauslesen. Das Leben ist voller Unsicherheiten. Überall lauert das Scheitern, überall der Tod. Diese Ausgesetztheit weckt in den Menschen eine tiefgründige Angst, die sie mit ihrer Lebensgier zu ersticken suchen. Es gibt keine Lebensziele höherer Art, nichts ist verbindlich, kein Recht, kein Gesetz, keine göttliche Sphäre; was Enkolpius, Askyltos und Giton, die drei jungen, lebenssüchtigen Hauptfiguren, von Abenteuer zu Abenteuer hetzt, sind allein der Bauch und das Geschlecht.

Was bedeutet der Titel Satyricon? Gemeint ist schwerlich ein singularisches Satyricon, was als Satyrspiel verstanden werden müsste, sondern zugrunde liegt ein Genitiv Plural Satyricōn, zu ergänzen „libri“. Das sind „Satyrhafte Geschichten“: Geschichten von Menschen, die leichtsinnig wie Satyrn dahinleben, wie jene ausgelassenen, lüsternen, die ungezügelte animalische Fruchtbarkeit personifizierenden Gesellen, die zum mythischen Gefolge des Dionysos gehören.

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