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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Von den Ärzten und der Heilkunst in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm (Heinz Rölleke)

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Heinz Rölleke

Von den Ärzten und der Heilkunst in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm

Die Vertreter des uralten Berufsstandes der Ärzte gehören in den Grimm’schen Märchen (künftig: KHM) nicht zu den markantesten Personengruppen. Den meisten Märchenlesern fallen auf Anhieb vielleicht der junge Arzt in der Geschichte vom „Gevatter Tod“ (KHM 44) oder der wunderliche, keiner akademischen Disziplin zweifelsfrei zuzuordnende „Doktor Allwissend“ im gleichnamigen Märchen (KHM 98) ein – und viel mehr nennenswerte Heilkundige begegnen auch dem Kenner bei sorgfältiger Durchsicht der KHM nicht. Dieses Resultat ist einerseits verwunderlich, andererseits erklärbar. Verwunderlich weil der Arzt in der Regel der einzige akademische Berufsstand ist, mit dem die im Märchen auftretenden ,einfachen Leute‘ wie auch die Vermittler der Märchen selbst – realiter allerdings kaum einmal oder nur ganz ausnahmsweise1 – zu tun hatten, wenn man einmal von der Zunft der Richter absieht, die aber so gut wie nie als ‚Studierte‘ wahrgenommen werden; erklärbar weil eben diese ‚einfachen Leute‘ sich selten einen Arzt leisten konnten – sei es, weil keiner weit und breit aufzutreiben, sei es, weil er gegebenenfalls für sie unbezahlbar war.

Trotzdem hat sich gerade in der Volksliteratur eine einigermaßen konstante Sicht auf die Ärzte herausgebildet und erhalten – das gilt insbesondere für die parömiologische Tradition. Das kanonische Sprichwörterlexikon von Wander verzeichnet allein zum Stichwort „Arzt“ nicht weniger als 279 Belege. Die meisten spielen auf die angeblich skrupellose Geldgier und den...

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